Erwerbungsförderung

Kawaras Kalender

Das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main erwirbt mit On Kawaras Graphik „One Hundred Years Calender – 20th Century, 24,845 days“ aus dem Jahr 2000 ein Hauptwerk des japanischen Konzeptkünstlers. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

On Kawara, One Hundred Years Calender – 20th Century „24,845 days“, 2000, 68,6 x 129,5 cm; MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main; © MMK/OMY Foundation
On Kawara, One Hundred Years Calender – 20th Century „24,845 days“, 2000, 68,6 x 129,5 cm; MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main; © MMK/OMY Foundation

Absolute Konsequenz, lakonische Eleganz und das Fortschreiten der Zeit: Die Fixpunkte im künstlerischen Koordinatensystem On Kawaras verschmelzen in der eigenhändigen Graphik „One Hundred Years Calender – 20th Century, 24,845 days“ zu einem feinsinnigen Ornament numerischer Daten. Mit dem großformatigen Papierbogen – eine programmatische Kreuzung zwischen Kunstwerk, persönlichem Dokument und künstlerischer Autobiografie – erwirbt das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main ein zentrales Spätwerk des japanischen Konzeptkünstlers. Mit dem Ankauf direkt aus dem Besitz des jüngst verstorbenen Künstlers verband On Kawara zudem die Schenkung von neun seiner kostbaren Datumsbilder für die Frankfurter Sammlung.

Die graphische Summe aller Teile: In seinem „Hundertjährigen Kalender“ resümierte On Kawara (1932–2014) sein Lebenswerk eindrucksvoll auf 68,6 x 129,5 Zentimetern. Der medienscheue Künstler begann am 4. Januar 1966 mit der Serie seiner „Date Paintings“. In diesen Ikonen der Konzeptkunst fixierte er in einem fast täglichen Ritual lediglich das jeweilige Entstehungsdatum auf Leinwand: Über 2.000 Datumsgemälde malte er in der Spanne seines Lebens. In dem vom MMK erworbenen kalendarischen Schlüsselwerk zeichnen sich im Pixelraster aller Tage des 20. Jahrhunderts manuell gelb punktiert die einzelnen Lebenstage Kawaras ab, während an schwarz markierten Tagen seine Datumsbilder entstanden. In Form eines Zeitzeichens seltener Klarheit und Nüchternheit summierte der Künstler so im kargen und konstant bleibenden Instrumentarium der Datumsbilder die Fülle seines Schaffens. In den unzähligen akribisch gesetzten Markern bannte On Kawara die Zeit auf Papier und erbrachte gleichzeitig den sichtbarsten Beweis ihres unerbittlichen Verstreichens.

Die mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Hessischen Kulturstiftung, der Freunde des MMK Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main sowie der Georg und Franziska Speyer‘sche Hochschulstiftung erworbene Arbeit komplettiert den weltweit umfassendsten Kawara-Bestand des MMK. Ab dem 12. September 2014 bildet das unikale Blatt das Zentrum des neu gestalteten Kawara-Raumes – Höhepunkt der neuen MMK-Sammlungspräsentation: Inmitten der Datumsbilder vermittelt der Tageskalender dem Besucher das konzeptuelle Lebenswerk des Künstlers in sinnfälliger und ästhetisch beeindruckender Weise.