Erwerbungsförderung

Kasperle & Co.

Eine der wichtigsten privaten Sammlungen zum internationalen Figurentheater kommt mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder ins Mitteldeutsche Marionettentheatermuseum: Rund 5.000 Objekte bereichern fortan die Sammlung des Museums in Bad Liebenwerda.

TV-Prominenz und UNESCO-Welterbe vereint die Sammlung Uwe und Karin Brockmüller: Von der berühmten ZDF-Kasperlefigur des Holzbildhauers Till de Kock über kostbare sizilianische Marionetten der „Opera dei Pupi“ bis hin zu Figuren des asiatischen Schattenspiels sind zahlreiche Hauptdarsteller des Puppentheaters in der rund 5.000 Objekte umfassenden Kollektion des Schweinfurter Sammlerpaares zu bewundern. Das Figurentheater – in diversen kulturellen Ausprägungen von der UNESCO als „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ geehrt – wird in der Sammlung mit seinen hölzernen Protagonisten lebendig, aber auch in Büchern, auf Plakaten, Zeichnungen und in Dekorationen zur Puppenspielgeschichte: Mit der Erwerbung der über 2.000 Figuren, 79 wertvollen Masken und des dokumentarischen Materials rückt das Mitteldeutsche Marionettentheatermuseum in Bad Liebenwerda auf einen Schlag zur internationalen Spitze der Puppentheatermuseen auf. Die Kulturstiftung der Länder, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkassenstiftung „Elbe-Elster-Land“ unterstützten den Ankauf.

Handpuppen und Marionetten aus Deutschland, Stabmarionetten aus Böhmen und eine beeindruckende Vielzahl an historischen Handpuppen aus Italien, Belgien, Frankreich und England kommen ins Elbe-Elster-Land, das sich als Wiege des mitteldeutschen Wandermarionettentheaters begreift und auf eine 250-jährige Puppenspieltradition zurückblickt. Auch das Internationale Puppentheaterfestival im Elbe-Elster-Land, das dieses Jahr zum 18. Mal im Kreis stattfand, wird vom enorm erweiterten Puppentheater-Kosmos profitieren. Zur Kollektion des Museums gesellen sich aus der Privatsammlung außerdem zahlreiche Marionetten, Stabfiguren und Schattenfiguren aus Indien, China, Indonesien sowie das eindrucksvolle vietnamesische Wassertheater. Ebenso finden sich afrikanische Figuren im Bestand. Die Handpuppen lassen das Jahrmarktkaspertheater des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts wieder auferstehen: So zeugen dutzende Figuren von der reichen Handwerkskunst der Thüringer Kasperschnitzer, neben Figuren aus der Rhön und Franken sammelten die Puppentheaterenthusiasten Uwe und Karin Brockmüller aber auch europäische „lustige Figuren“ wie die der Commedia dell’arte entlehnten Pulcinella-Puppen oder die Verkörperungen des französischen Puppentheaterhelden Guignol. Besonders kostbar sind die 150 Hohensteiner Handpuppen des Schnitzers Theo Eggink aus dem Erzgebirge, teilweise entstanden in der frühen Zeit des Figurentheaters in der Sächsischen Schweiz um 1924. Als besonders selten gelten die erhaltenen Tierfiguren Liesel Kostors. Dagegen fast lebensgroß sind die sizilianischen Stangenmarionetten gefertigt. Als Meisterwerke der italienischen Schnitzkunst – dem immateriellen Kulturerbe der UNESCO zugehörig – gelten sie als kaum mehr auf dem Markt erreichbare, hochbegehrte Sammelobjekte.

Aus Indonesien stammt ein exklusives Ensemble aus Stabpuppen und Schattenfiguren des Wayang-Theaters, dessen Urform vor 2.000 Jahren in Indien entstand. Aus Tschechien, der Slowakei und Belgien gesellen sich weitere seltene Vertreter der an einem Stab befestigten Marionetten in die Präsentation des Mitteldeutschen Marionettentheatermuseums. Von den Masken der Sammlung Brockmüller verspricht sich das Museum Anknüpfungspunkte an die noch heute lebendige Fastnachttradition des Elbe-Elster-Landes. Der 2009 verstorbene Schweinfurter Puppentheaterfestival-Initiator Uwe Brockmüller hinterließ eine bestens dokumentierte Sammlung, die die Herkunft aller Figuren verzeichnet und so eine genaue Zuordnung zu Spielorten und Herstellern ermöglicht – beste Vorrausetzungen also für die weitere wissenschaftliche Erforschung. Darüber hinaus schärft das Museum sein Profil: Zukünftig wird man das reiche Erbe des Puppentheaters im Vergleich zu den Nachbarländern, aber auch in seiner internationalen Ausprägung illustrieren können. Der nun breit aufgestellte Fundus des Museums wird die Sammlung in der internationalen Museumslandschaft neu positionieren.

Kontaktdaten

Johannes Fellmann
Leiter Kommunikation
Tel +49 (0)30/89 36 35 29
jf@kulturstiftung.de

Kulturstiftung der Länder
Stiftung bürgerlichen Rechts
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10785 Berlin
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Handpuppen aus der Rhön, Ende des 19. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

Handpuppen aus der Rhön, Ende des 19. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

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Sizilianische Stangenmarionetten, Anfang des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

Sizilianische Stangenmarionetten, Anfang des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

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Stabpuppe des traditionelles indonesischen Puppentheaters Wajang Golek, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

Stabpuppe des traditionelles indonesischen Puppentheaters Wajang Golek, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

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Puppen aus Westafrika, Mitte des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

Puppen aus Westafrika, Mitte des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

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Handpuppenbühne für das Guignoltheater in Frankreich, Ende des 19. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

Handpuppenbühne für das Guignoltheater in Frankreich, Ende des 19. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

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Chinesische Puppen, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

Chinesische Puppen, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus der Sammlung Uwe Brockmüllers; © Foto: Ulrich Lange, Dessau, vierzig-a.de

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