Restaurierungsförderung

In neuem Glanz

Im Rahmen des Bündnisses „Kunst auf Lager“ fördern die Kulturstiftung und ihr Freundeskreis Restaurierungen von national oder regional wertvollem Kulturgut und bringen dadurch verborgene Schätze aus den Depots in die Ausstellungen zurück. Institutionen können jederzeit Anträge für Restaurierungsprojekte stellen.

Berstende Fossilien, bröckelnde Altäre oder von Glaskrankheit befallene Daguerreotypien – eine Vielzahl bedeutender Kulturzeugnisse schlummert in dunklen Museumsdepots. Im Rahmen des Bündnisses „Kunst auf Lager“ unterstützen die Kulturstiftung der Länder und ihr Freundeskreis öffentliche Museen, Archive und Bibliotheken dabei, nicht-ausstellungsfähige, fragile Schätze unseres Kulturerbes durch fachgerechte Restaurierung wieder ins Licht der Ausstellungen zu holen.

1/6

Denn viele Museen, Archive und Bibliotheken können nicht allen Objekten, die sie beherbergen, gerecht werden: Häufig fehlen den Institutionen das Personal, die Zeit und die finanziellen Mittel, ihre umfangreichen Sammlungsbestände zu erforschen und wertvolle Objekte für eine Präsentation zu restaurieren. Bei der Hochwasserkatastrophe in Dresden 2002, dem Brand der Weimarer Herzogin Anna-Amalia-Bibliothek 2004 und dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 stand die Kulturstiftung der Länder mit schneller Hilfe bereit, um einmalige Zeugnisse unser Kultur zu erhalten. Doch auch ohne den akuten Notstand einer Katastrophe besteht in vielen Depots Handlungsbedarf, um Kulturgut zu bewahren: Das 2012 von der Kulturstiftung der Länder und der Hermann Reemtsma Stiftung initiierte Bündnis „Kunst auf Lager“, das derzeit 14 Partner vereint, nimmt sich dieser Aufgabe an, indem es Kunstmuseen ebenso wie heimat- und volkskundliche, naturwissenschaftliche und technische Museen bei Restaurierungsvorhaben unterstützt.

Wenn auch Ihre Institution dringenden Restaurierungsbedarf in den eigenen Beständen verzeichnet, informieren Sie sich gleich über eine Antragsstellung bei der Kulturstiftung der Länder bzw. beim Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder. Ihr Restaurierungsanliegen passt nicht zu den Förderschwerpunkten der Kulturstiftung der Länder bzw. den Förderschwerpunkten des Freundeskreises? Informieren Sie sich hier über die anderen Bündinspartner von „Kunst auf Lager“.

KSL_KaL_009Einer der ersten Anträge erreichte das Bündnis aus Karlsruhe: Seit 2003 fristete in der Staatlichen Kunsthalle das bedeutende Werk „Kreuztragung“ von Matthias Grünewald  sein Dasein überwiegend im Museumsdepot. Aufgrund von Materialalterung über die Jahre nachgedunkelt, traten formlose Flecken im Sujet auf, die das Erscheinungsbild der 196 x 152 cm großen Tafel störten. Ohne durch die von „Kunst auf Lager“ geförderte Personalverstärkung hätte die Restaurierung diese Hauptwerks der frühneuzeitlichen Kunstgeschichte weitere zwei Jahrzehnte in Anspruch genommen. Eine eigens für die „Kreuztragung“ engagierte Spezialistin kümmert sich nun im aufwändigen, mikroskopischen Verfahren um die Entfernung von Übermalungen und Kittungen. Schritt für Schritt legt sie Grünewalds Pinselstrich und die leuchtenden Farben frei, sodass sich das Werk nach Fertigstellung der Restaurierung im ursprünglichen Glanz der Öffentlichkeit präsentieren kann.

1/8

Die seit 2014 bei der Kulturstiftung der Länder eingegangen Anträge sind vielfältig: Die Brehm-Gedenkstätte in Rethendorf bat um Beistand bei der Erhaltung von Vogelpräparaten aus der Sammlung des berühmten Zoologen. Im Museum für Hamburgische Geschichte befreiten Restauratorinnen das große Modell des ersten Salomonischen Tempels weitgehend von Giftstoffen im Holz. Die Rettung der 18 Collagen Dieter Urbachs mit DDR-Architekturentwürfen gelang, obwohl die Materialvielfalt und der Klebstoff umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen von Nöten machten. Der sogenannte „Mecklenburger Planschatzes“, fragile Architekturblätte aus dem 18. Jahrhundert, konnte für die wissenschaftliche Erschließung fachgerecht gesichert werden. Und im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart glückte es, die chemische Zersetzung von über 180 Millionen Jahre alten Fossilplatten dank aufwändiger Reinigung und Präparation aufzuhalten. Auch der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder greift Institutionen bei Restaurierungen von Depotschätzen unter die Arme: Zu den schönsten Projekten seit 2014 gehören die Restaurierung zweier Porträts von Frans Hals im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald, die Rettung des Epitaphs des Bürgermeisters Heinrich Retzlow in der Berliner Marienkirche oder die Instandsetzung der Passionsszene „Jesus vor Kaiphas“ des Theatrum Sacrum im Brandenburgischen Stift Neuzelle.

Der vielfältigen Arbeit des Bündnisses widmet sich die Arsprototo Ausgabe 2/2016: Ausführliche Artikel zum Schwerpunkt „Kunst auf Lager“ stellen die Aufgabenbereiche der 14 Partner vor, die sich neben Restaurierungen auch für modernisierte Lagermöglichkeiten, Konservierung, Erschließung und Erforschung der Objekte stark machen. Beispielhaft wird von herausragenden Erfolgen dieses Engagements berichtet, darunter eine mittelalterliche Tafelmalerei, deren Goldlüsterung ihre Strahlkraft wiedererlangt, die wissenschaftliche Erschließung und fachgerechte Bewahrung zeitgenössischer Videokunst oder die Katalogisierung und Sicherung eines jüdischen Bibliotheksbestands.

Unsere Restaurierungsförderungen