Helfen Sie mit

Aus dem Rahmen gefallen

Im Berliner Bröhan-Museum wartet ein KPM-Spiegelrahmen auf seine Restaurierung.

von Claudia Kanowski

Dem Berliner Bröhan-Museum, Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus, wurde im Jahr 2012 eine Schenkung aus Privatbesitz zuteil: ein seltener, prachtvoller Spiegelrahmen aus Porzellan. Entworfen 1909 von Alfred Kamp, ist der Rahmen 1910 in der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) ausgeführt worden.

Spiegelrahmen mit Pfauen, Entwurf Alfred Kamp, 1909, Ausführung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, 1910, Porzellan mit Unterglasurbemalung und Vergoldung, 143 × 100 cm; Bröhan-Museum, Berlin
Spiegelrahmen mit Pfauen, Entwurf Alfred Kamp, 1909, Ausführung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, 1910, Porzellan mit Unterglasurbemalung und Vergoldung, 143 × 100 cm; Bröhan-Museum, Berlin

Der aus einzelnen Segmenten bestehende Rahmen ist ein Paradebeispiel für den ausgehenden Jugendstil. Zwei große Pfauen bilden das Hauptmotiv. Sie sind umgeben von gold-grün bemalten Blüten und Blättern. Umlaufende Bordüren und durchbrochene Ornamente bilden zusätzlichen Schmuck. Ikonografisch steht der Pfau für Schönheit und Unsterblichkeit, aber auch für Eitelkeit. Mit seiner Eleganz und seiner ambivalenten Symbolik wurde der Pfau geradezu zum Wahrzeichen der Jugendstil-Epoche um 1900. Besonders sinnfällig wird das Motiv in Verbindung mit dem Typus des Spiegels. Die Betrachterin oder der Betrachter des eigenen Spiegelbildes mag die Pfauen als Bestätigung ihrer eigenen Schönheitssuche oder aber als Warnung vor Eitelkeit und Hoffart verstanden haben. Eine Besonderheit ist auch, dass der Pfau nicht farbenfroh-schillernd bemalt ist, sondern im reinen Porzellanweiß erstrahlt. Die Materialwirkung des Porzellans, der Königsgattung der Keramik, entspricht dem edlen und königlichen Vogel. Zeitgleich mit dem Spiegelrahmen entstand in der KPM der figürliche Tafelaufsatz „Hochzeitszug“ nach einem Modell von Adolf Amberg. Auch hier taucht der weiße Pfau auf, als Begleiter der Figur der Inderin. In der Literatur der Belle Époque findet sich das Motiv des weißen Pfaus ebenfalls: Im Drama „Salome“ von Oscar Wilde (1891) schlägt die schöne Salome das Geschenk von Herodes aus – nicht seine kostbaren weißen Pfauen möchte sie, sondern den Kopf von Jochanaan.

Der Spiegelrahmen entstand in der KPM während des Direktorats von Theo Schmuz-Baudiß (1859–1942). Dieser war 1902 zunächst als künstlerischer Mitarbeiter an die Manufaktur gekommen und wurde 1908 deren Direktor. Er machte sich stark für eine Öffnung hin zur Moderne. Neben den traditionellen Formen und Dekoren entstanden auch zahlreiche neue Modelle. Er selbst schuf   Vasen und Service mit Dekoren im Spätjugendstil, darunter auch eine monumentale Vase mit Pfau von 1906, die sich im Besitz des Bröhan-Museums befindet. Schmuz-Baudiß animierte aber auch seine Mitarbeiter, sich modernen Kunstströmungen wie dem Jugendstil zu öffnen. Dazu gehörte Alfred Kamp (1882–1942), der ein gutes Jahrzehnt an der KPM tätig war, bevor er 1910 als Professor an die Königlich-Keramische Fachschule Höhr-Grenzhausen ging.  Der Entwurf für den aufwändigen Pfauenspiegel stand vermutlich im Zusammenhang mit der Brüsseler Weltausstellung 1910, wo die KPM ihn an prominenter Stelle präsentierte. Der Spiegel hing dort über einem Vitrinenschrank, auf dem zwei elektrische, ebenfalls von Alfred Kamp entworfene Porzellanlampen standen. Auch ein Exemplar der Lampe befindet sich in der umfangreichen Porzellansammlung des Bröhan-Museums. Man könnte somit ein schönes Ensemble bilden. Der Spiegelrahmen ist sehr selten. In der KPM selbst hat sich früher ein Exemplar befunden, das sich jedoch nicht erhalten hat.

Momentan ist es allerdings nicht möglich, den Spiegelrahmen zu zeigen. Ein Segment ist zerbrochen und muss fachgerecht zusammengefügt werden. Sehr aufwändig ist die Entfernung der alten, verrosteten Schrauben. Die restaurierten Segmente müssen dann auf einen geeigneten Holzträger aufgebracht werden. Um die sinnfällige Motivik zu veranschaulichen, braucht der Rahmen auch wieder einen Spiegel. Mit Ihrer Hilfe möchten wir den Rahmen präsentabel machen. Helfen Sie mit, ein seltenes Werk, das den Schönheitskult der Belle Époque wunderbar zum Ausdruck bringt, wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen!

Claudia Kanowski

ist Kuratorin und Stellvertretende Direktorin am Bröhan-Museum, Berlin.

Für weitere Informationen:

Dr. Claudia Kanowski
Bröhan-Museum
Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus
Schloßstraße 1a, 14059 Berlin
Telefon: 030 - 326 906-21
http://www.broehan-museum.de

Die Restaurierung des Spiegelrahmens ist abgeschlossen. Das Bröhan-Museum und die Kulturstiftung der Länder danken den Spendern herzlich für die großzügige Unterstützung.