Restaurierungsförderung

Graf von Graff

Die Kulturstiftung der Länder unterstützte im Rahmen des Bündnisses „Kunst auf Lager“ die Restaurierung von Anton Graffs Porträt des Grafen Carl Heinrich III. von Schönburg in Glauchau.

von Juliane Kummer

Obwohl er hoch verschuldet um das Wohnrecht auf seinem eigenen Anwesen bangen musste, mangelte es Graf Carl Heinrich III. von Schönburg (1757 – 1815) nicht an Selbstbewusstsein: Ganz in Schwarz mit Weste, Kniebundhose, Rock und seidenen Strümpfen gekleidet, tritt der Graf im Habitus eines Staatsmannes auf. Er kreuzt die Beine, stützt sich dabei auf eine Stuhllehne. Seine individuellen Gesichtszüge sind detailreich wiedergegeben. Von einem Landschaftsausblick und einer mächtigen klassizistischen Säule im Hintergrund begleitet sowie von einer wallenden Draperie gerahmt, inszenierte ihn der Schweizer Maler Anton Graff (1736 – 1813) in seinem Gemälde von 1806 ganz im Sinne eines Herrscherporträts des 18. Jahrhunderts. Herrschaftlich gibt sich auch das Format: Mit den Maßen 233 x 136 cm erfasst es den Dargestellten in ganzer Lebensgröße.

Anton Graff, Porträt Graf Carl Heinrich III. von Schönburg-Forderglauchau und Wechselburg (1757-1815), 1806, 233 x 136,5 cm; Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau
Anton Graff, Porträt Graf Carl Heinrich III. von Schönburg-Forderglauchau und Wechselburg (1757-1815), 1806, 233 x 136,5 cm; Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau

Groß angelegt begann zuvor Carl Heinrichs Werdegang: 1757 wurde er in Wechselburg geboren, zog zum Jurastudium nach Leipzig, wo er die Gedanken der Aufklärung kennenlernte. Der junge Schönburg war nicht nur offen für neue geistige Strömungen, sondern auch hoch motiviert, bei einer Bildungsreise durch Mittel- und Westeuropa Kultur und Politik, Wirtschaft und Landschaften anderer Länder kennenzulernen. Die Grand Tour führte den 22-Jährigen nach Aufenthalten in Holland und London zunächst zu Zielen im Norden Englands sowie zu den englischen Lords mit ihren prachtvollen Anwesen, die den Reisenden gerne in ihren Privaträumen empfingen. Dort ist er zahlreichen Bildnissen begegnet, die in Körperhaltung und Kostüm den Status des Dargestellten zum Ausdruck brachten.

Carl Heinrich setzte seine umfassende Bildungsreise schließlich erst in Zürich, dann in Frankreich fort, bevor die Grand Tour 1781 im Ausgangsort Wechselburg endete. Seit 1786 mit der Verwaltung der Herrschaft Forderglauchau beauftragt, widmete sich der Graf nunmehr der Wirtschaftsführung. Dabei geriet sein Leben jedoch allmählich in Schieflage: Als Herr über die Ländereien Schönburg-Forderglauchau und seit 1800 eines Teils der Herrschaft Wechselburg leistete sich Carl Heinrich einen Lebensstil, dessen Großzügigkeit die geringen Gewinne aus seinen Besitzungen nicht entsprachen. Dies bescherte ihm innerfamiliäre Konfrontationen – insbesondere mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm Albrecht Heinrich. Schließlich war er hoch verschuldet 1806 zum Verkauf seines Landbesitzes gezwungen. Derart entmachtet, litt Carl Heinrich nicht nur unter dem Verlust seiner Ländereien, sondern wurde darüber hinaus von Gemütsschwankungen geplagt, bis er 1815 im Schloss Forderglauchau verstarb.

Der zu seiner Zeit als Porträtist überaus gefragte Dresdener Hofmaler Anton Graff schuf in seinem Gemälde ein glanzvolles Abbild des früheren Schlossherrn, das dessen stolzes, fast trotziges Selbstverständnis wohl treffend zu erfasste. Das Porträt ergänzt die bemerkenswerte Sammlung Schönburger Ahnenporträts in den historischen Wohnräumen des Museums Schloss Hinterglauchau. 1945 im Zuge der Bodenreform ohne Entschädigung an die Stadt Glauchau übereignet, wurde die Ahnengalerie als Teil der Schönburgia-Bestände 2015 nach der Restitution an die Erbin durch die Stadt Glauchau für das Museum Schloss Hinterglauchau erworben. Mithilfe der Kulturstiftung der Länder konnte anschließend bei einer maßvollen Restaurierung im Rahmen des Bündnisses Kunst auf Lager der ursprüngliche Zustand des Porträts wiederhergestellt werden: Der flächig übermalte Himmel der Landschaftsaussicht wurde ebenso freigelegt wie eine Kordel der Stoffdraperie, die unter Farbschichten verborgen lag. Wieder in den Zustand der einstmaligen Bildidee Anton Graffs zurückversetzt, erstrahlt das Porträt des stolzen Schönburg im Umfeld seiner Ahnen nun wieder in neuem Glanz.

Juliane Kummer

ist Kunsthistorikerin in Berlin und u. a. als ehrenamtliche Redakteurin für die Kulturstiftung der Länder und ihren Freundeskreis tätig.