Kulturerbe bewahren

Rückkehr zweier Altarflügel

Gestohlene Altarflügel aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren kehren nach Sachsen-Anhalt in die evangelische Kirche von Klieken zurück. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte die Rückführung.

Fast 30 Jahre lang waren die 1980 gestohlenen Altarflügel der evangelischen Kirche in Klieken (Sachsen-Anhalt) verschollen, bis diese, gutgläubig von zwei Antiquitätenhändlern erworben, 2007 im Bamberger Kunsthandel entdeckt und vom Bayerischen Landes­kriminalamt in Verwahrung genommen wurden. Die schätzungsweise zwischen 1510 und 1515 erschaffenen Altarflügel aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren werden nun, nach gelungener Klärung aller juristischen Fragen, am 26. März in Klieken präsentiert. Sie kehren nach Abschluss von Renovierungsarbeiten am Gebäude endgültig in die Kirche zurück; die Hoffnungsgemeinde Zieko, zu der Klieken gehört, ist nun die rechtmäßige Eigentümerin. Die Rückholung war nur durch das Engagement der Kulturstiftung der Länder und des Landes Sachsen-Anhalt möglich geworden.

Zur Kunstgeschichte des Retabels ist bisher wenig bekannt. Allerdings verbindet sich mit dem Altar der Name des bedeutenden Renaissancekünstlers Lucas Cranach, dessen Witten–berger Werkstatt die Ausführung der gemalten Altarflügel zugeschrieben wird, während für den geschnitzten Altarschrein ein anderer, unbekannter Künstler angenommen wird.

Auch die Entstehung dieses Altars fällt in eine spannungsreiche Zeit: Ganz offensichtlich ist hier ein typisches katholisches Bildprogramm, das um die Patronin des Deutschen Ordens Maria kreist, ausgewählt worden. Im Schrein steht die Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm und neben ihr in kleinerem Format die Hl. Genoveva sowie der Hl. Christopherus. Im geöffneten Zustand war auf der linken Seite die Begegnung Joachims und Annas, der Eltern Marias, an der Jerusalemer Goldenen Pforte zu sehen, auf der rechten Seite die Geburt der Maria. Auf dem linken Flügel kniet klein im Vordergrund der Stifter und Deutschordensritter von Eisenberg, dessen Wappen zu Füßen der Marien­skulptur angebracht ist. Im geschlossenen Zustand des Altars war die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel zu sehen. Damit handelt es sich offensichtlich bei diesem Altar um ein vorreformatorisches Werk und um eines der seltenen Frühwerke aus der Cranach-Werkstatt. Der Kliekener Altar stellt damit eine der wenigen vorreforma­torischen Kunststiftungen dar, die sich im Kernland der Reformation erhalten haben. Wert und Bedeutung des Altars erwachsen nun wieder in vollem Umfang durch seine Vollständigkeit am angestammten Ort in der Kliekener Kirche.

Zur Präsentation in Klieken am 26. März wird der stellvertretende Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, Dr. Martin Hoernes, anwesend sein.