Restaurierungsförderung

Gequollene Collagen

Die Berlinische Galerie restaurierte bedeutende Fotocollagen Dieter Urbachs mit DDR-Architekturentwürfen der 70er Jahre für die Ausstellung„Radikal Modern“. Hören Sie hier auch einen Beitrag von Deutschlandfunk über die Rettung der Entwürfe.

Wasserschäden sind die Katastrophen, die in Archiven am häufigsten vorkommen. Schon eine geringe Menge Wasser kann Fotografien innerhalb kurzer Zeit vollständig vernichten: Die Gelatineschicht wird durch Wasser so stark abgebaut, dass sie sich – und damit das Bild – darin auflöst. Gleichzeitig kann sich Schimmel bilden. Im Juli 2013 kamen 18 Fotocollagen des Architekten und Grafikers Dieter Urbach in die Berlinische Galerie. Damit sie in der Ausstellung „Radikal Modern“ gezeigt werden können, unterstützte die Kulturstiftung der Länder im Bündnis „Kunst auf Lager“ die Rettung der fragilen Schätze. Sie waren in einem stark restaurierungsbedürftigen Zustand.

Die Schaubilder Dieter Urbachs (geboren 1937 in Beutnitz-Crossen) zeigen Architekturentwürfe für den Aufbau Berlins zur Hauptstadt der DDR in ungewöhnlich räumlicher und lebensnaher Darstellung. Von der Freiraumgestaltung vor dem Fernsehturm bis zum Großen Saal des 2008 abgerissenen Palasts der Republik und dem – nach der Wende ebenfalls entfernten – Palasthotel: Die Collagen dokumentieren wichtige Ost-Berliner Großbauvorhaben der Nachkriegsmoderne.

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Urbach erstellte die Collagen oft in kürzester Zeit im Auftrag renommierter DDR-Architekten, wie zum Beispiel Hermann Henselmann oder Josef Kaiser. Die Bilder wurden den Vertretern der damaligen SED-Regierung in der Hoffnung präsentiert, die Einwilligung für die Planungsausführung zu erhalten. Aufgrund ihrer leichten Lesbarkeit und ihrer Aufbruch vermittelnden Motivik wurden Urbachs Collagen zudem medial verwertet: Reproduktionen wurden in Bauausstellungen gezeigt und in der Tages- und Fachpresse publiziert. Urbachs idealisierte Stadtansichten zeigen die Wunschvorstellungen und Planungsziele für Ost-Berlin besonders anschaulich und nachvollziehbar. Sie illustrieren beispielhaft das damalige Verständnis der DDR-Architekten von repräsentativer Bauweise. Ihre historische Bedeutung liegt zudem darin, dass fotorealistische Raumdarstellungen von Planungsvorhaben aufgrund ihrer damals aufwändigen manuellen Herstellung verhältnismäßig selten angefertigt wurden. Aus heutiger Sicht betrachtet, rufen Urbachs Bilder Erinnerungen wach an in Vergessenheit geratene Bauvorstellungen und oftmals nicht mehr erhaltene Architekturen.

Die Collagen entstanden unter Einsatz vieler verschiedener Materialien. Urbach verwendete eigens aufgenommene Fotografien sowie Ausschnitte aus Zeitschriften, Tusche- und Bleistiftzeichnungen, Airbrush und Deckweiß. Entsprechend vielfältig waren die Schadensbilder, die eine besondere Herausforderung bei der Restaurierung darstellten. Insbesondere das Altern der verwendeten Klebstoffe und Fotopapiere hatte die Bilder beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen.

Offensichtlich waren die Arbeiten in der Vergangenheit einer erhöhten Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, einige Collagen lagen zeitweise wahrscheinlich vollständig im Wasser. Durch den Wasserkontakt hatte die Gelatineschicht ihre Festigkeit und ihren Zusammenhalt verloren. Die sonst widerstandsfähige Schicht puderte bei geringster Berührung ab. Ein vertikales Ausstellen war nicht mehr möglich, jede Bewegung ein Risiko. In einigen Bereichen löste sich das Bild in großen Schollen ab.

Neben Verfärbungen, Fleckenbildung und Wasserrändern waren die Collagen stellenweise von Schimmel befallen. Schimmelsporen können sich unter bestimmten Bedingungen schnell vermehren und zu einem Risiko für Kunst und Mensch werden. Da sie toxisch und allergen auf Personen wirken können, muss der Befall unbedingt behandelt werden.

Auch für die Bilder selbst birgt der Schimmelbefall ein großes Risiko. Er kann die Bildschicht der Fotografien und die Papierträger zerlegen. In stärkerer Ausprägung kann das „Pilzmyzel“ so wachsen, dass die Objektoberfläche dadurch komplett abgedeckt wird. Durch Fleckenbildung kann die Bildinformation stellenweise ganz verschwinden. Jede Collage musste daher auf Schimmelbefall untersucht werden. Eingesetzt wurde eine neue Messmethode aus der Lebensmittelindustrie, die die Keimzahl betroffener Flächen bestimmen kann.