Restaurierungsförderung

Fischsaurier außer Gefahr

Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart zeigt in der Sonderausstellung „Patient Fischsaurier – Restaurierung gefährdeter Fossilien“ jüngst restaurierte Fossilplatten. Das Bündnis „Kunst auf Lager“ unterstützte das Vorhaben.

Dass wir heute die Überreste von Sauriern bestaunen können, die vor 182 Millionen Jahren die Erde bevölkerten, haben wir den Konservierungskräften der Natur zu verdanken.  Im Jura durch Faulschlamm entstanden, gehören Fossilplatten aus Posidonienschiefer deshalb zu den wertvollsten Objekten der Sammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart.

Umso ärgerlicher, dass die Fossilien häufig Opfer von Mineralien werden, die sich in den Schieferplatten eingelagert haben. Bei Kontakt mit Wasser und Sauerstoff – schon zu hohe Luftfeuchtigkeit reicht aus – entsteht aggressive Schwefelsäure, die sich in das Fossil frisst. Durch den sogenannten Pyrit-Zerfall können sogar ganze Knochen aus den Fossilplatten herausbrechen. Die Ursache dieses berühmt-berüchtigten Phänomens gibt Forschern bis heute Rätsel auf.

Der Fischsaurier Stenopterygius triscissus wird oberflächlich mit Aceton gereinigt © SMNS, Marit Kamenz
Der Fischsaurier Stenopterygius triscissus wird oberflächlich mit Aceton gereinigt © SMNS, Marit Kamenz

Die Auswahl der restaurierungsbedürftigen Fossilienplatten gleicht darum Detektivarbeit: Wie ein Spürhund dem charakteristischen Geruch nach faulen Eiern folgend, „erschnüffelt“ sich Restauratorin Cristina Gascó Martín den Weg durch die Sammlungsbestände im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart – immer auf der Suche nach ersten Anzeichen für Zerfall an den urzeitlichen Bewohnern. Sieben der so identifizierten Fossilplatten wurden nun mithilfe der Kulturstiftung der Länder von ihren Verfallserscheinungen befreit und restauriert.

Im jeweils rund fünfmonatigen Restaurierungsprozess wurden die Fossilien zunächst mechanisch mit Druckluftstichel und Sandstrahl bearbeitet. Die speziellen Präparationswerkzeuge ermöglichen eine präzise Freilegung der Fossilien, ohne die empfindlichen Bewohner der Schieferplatten zu beschädigen. Mithilfe von Aceton wurden die Fossilien daraufhin von den letzten Überresten der gefährlichen Mineralien gereinigt. Anschließend hat Cristina Gascó Martín Knochen, Krusten und Kiefer mit auf die empfindlichen Materialien abgestimmten Imprägnierungen behandelt, sodass sie keiner weiteren Zersetzung durch Feuchtigkeit anheimfallen.

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Im Rahmen der Reihe „museum spezial“ im Museum am Löwentor werden die restaurierten Fossilien neben weiteren „Patienten“ der Sammlung gezeigt, die noch einer Behandlung bedürfen. Die Ausstellung dokumentiert zudem ausführlich den Restaurierungsprozess und die Entstehung von Fossilien.