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Faible für Fächer

Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha bewahrt mit der weltweit ältesten Fächersammlung ein kostbares Juwel: Doch etliche der fragilen Stücke müssen dringend restauriert werden.

von Dr. Martin Eberle

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit mag man mit einem Blatt ein Feuer angefächelt oder sich Kühlung verschafft haben. Spätestens seit der Antike wurde der Fächer fester Bestandteil der Mode, diente während des Mittelalters bei religiös-kultischen Handlungen und während der Renaissance in Form des Fahnenfächers der höfischen Repräsentation.

Briséfächer, Frankreich, um 1795, kolorierter Kupferstich auf Elfenbein; Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Briséfächer, Frankreich, um 1795, kolorierter Kupferstich auf Elfenbein; Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Seinen Höhepunkt aber erlebte der Fächer ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein. Damals stieg er zum festen Attribut der eleganten Dame auf, und dementsprechend luxuriös war er gestaltet. Die Gestänge der Faltfächer wurden aus Elfenbein geschnitten und geschnitzt, Perlmutt wurde in zierlichen Ornamenten gesägt, vergoldet und versilbert, Schildpatt bekam Einlagen aus Gold und Silber. Kostbarer noch waren die Blätter: Aufs Feinste wurden sie mit mythologischen und religiösen Szenen, mit amourösen Schäferspielen und üppigen Frucht- und Blütengebinden bemalt. Als Malgrund diente Papier oder auch „Schwanenhaut“, das besonders feine Pergament, gewonnen aus der Haut ungeborener Lämmer. Aber auch Spitzen, Seiden und Federn fungierten als Blatt, ebenso bemalt oder aber mit Pailletten und Goldfäden bestickt.

Kein Material konnte zu kostbar, keine handwerkliche Leistung zu aufwändig sein, um diese Meisterwerke des schönen Überflusses zu dekorieren und damit natürlich in erster Linie die Trägerin des Fächers. Zu jedem Kleid, zu jedem Anlass – ob Hochzeit, Ball, Kirchgang oder Picknick – sollte eine Dame des 18. Jahrhunderts den passenden Fächer bei sich tragen. Aus dem höfisch-adligen Umfeld gelangte der Fächer dann auch in bürgerliche Kreise. Nun wurden die Gestänge meist aus Holz gefertigt, als Blätter dienten kolorierte Kupferstiche, die nun auch aktuelle politische Themen aufgriffen oder karikierten.

Mit der Französischen Revolution verschwand der Fächer, aber nicht für lange, denn während des Empire tauchte er – nun deutlich kleiner – wieder auf. Mit Kaiserin Eugénie von Frankreich, die sich das 18. Jahrhundert zum Vorbild nahm, wurde auch der Fächer ab 1850 wieder modern, bis er um 1900 noch einmal einen Höhepunkt erlebte. Damals entstanden noch einmal absolute Preziosen der Handwerkskunst, die in Qualität und Reichtum der Dekoration nicht hinter ihren Vorgängern aus dem 18. Jahrhundert zurückstehen.

Seit einigen Jahren befindet sich mit den knapp 500 Fächern der Stiftung Ute Michaels eine umfangreiche Sammlung als Leihgabe in der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Zusätzlich weist Gotha eine eigene, ebenso große Kollektion auf, so dass zukünftig aus beiden Beständen ständig wechselnde Kabinettausstellungen im Herzoglichen Museum Gotha, das am 19. Oktober 2013 eröffnet wird, gezeigt werden können. Hierzu wird ein eigenes „Fächerkabinett“ im Museum eingerichtet. Unter dem Titel „Der Liebe leichte Schwingen – Fächer und Liebespaare“ hatte eine Ausstellung auf Schloss Friedenstein in diesem Jahr mit großer Resonanz die exquisite Kollektion einem begeisterten Publikum vorgestellt.

Faltfächer, Europa, um 1790/1800, Blatt aus bemalter Seide mit Pailletten, Gestell aus Elfenbein mit Silberfolie; Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Faltfächer, Europa, um 1790/1800, Blatt aus bemalter Seide mit Pailletten, Gestell aus Elfenbein mit Silberfolie; Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Die Gothaer Sammlung wurde dabei ausschließlich von einem Mann zusammengetragen, Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772 –1822). Die Vorliebe des Herzogs, dessen Audienzen im Damenkleid legendär sind, für Fächer war allgemein bekannt, und so ließ selbst die Zarin ihm Fächer als Präsent zukommen. Den größten Teil aber erwarb er über seinen Agenten in London, Joseph Meyer (1796 –1856), der später dann das weltberühmte Bibliographische Institut begründete. So kommt es, dass sich in Gotha die älteste Sammlung dieser Art befindet.

Der Empfindlichkeit der Materialien ist es geschuldet, dass bei den Fächern zum Teil erhebliche Schäden aufgetreten sind: Gestänge sind gebrochen, Papiere und Seiden eingerissen, die qualitätvollen Malereien müssen gefestigt werden.

Um auch künftig diese Fächer der Öffentlichkeit präsentieren zu können, bitten wir Sie um Unterstützung: Es gilt ein einstmals alltägliches, heute nahezu verschwundenes Dokument europäischer Kunst und Kulturgeschichte der Nachwelt zu erhalten. Denn wie bei kaum einem anderen Kunstwerk vereinen sich in den Fächern künstlerische und handwerkliche Meisterschaft zu einem eindrucksvollen Bild der Eleganz einer vergangenen Epoche. Helfen Sie mit, die kostbaren Schwingen zu heilen, damit sich die Besucher in Gotha auch weiterhin vom Esprit und der Schönheit vergangener Zeiten beflügeln lassen können!

Wir bitten Sie herzlich, liebe Leserin und lieber Leser, um Unterstützung für das Schloss Friedenstein in Gotha. Spenden Sie für die Restaurierung kostbarer Fächer und überweisen Sie bitte unter dem Stichwort „Friedenstein“ auf eines der Konten der Kulturstiftung der Länder. Vielen Dank!

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