Neu im Museum

Erwerbungen

Späte Früchte

Isaak Soreau, Früchtekörbe, Früchteschale, Porzellankumme, Blumenvase mit Nelken und Gemüse, 1645
Isaak Soreau, Früchtekörbe, Früchteschale, Porzellankumme, Blumenvase mit Nelken und Gemüse, 1645

Krieg und Religionswirren hatten den berühmten Maler Daniel Soreau aus Flandern nach Frankfurt und dann weiter in das nahegelegene Hanau getrieben, wo ihm 1604 Zwillingssöhne geboren wurden: Peter und Isaak. Der Vater sollte nicht nur zu den Hanauer Neustadtgründern zählen, sondern begründete auch eine künstlerische Schule, die weit über die Stadtgrenzen hinauswirkte und gleichsam zum Ursprung einer eigenständigen deutschen Stilllebenmalerei werden sollte. Der große Sebastian Stoskopff aus Straßburg war sein Schüler, ebenso wie die eigenen Söhne: Beide wurden unter seiner Ägide zu selbstständigen Malern, doch vor allem von Isaak hat kaum ein gesichertes Werk die Jahrhunderte überstanden. Nun aber gelang die Identifizierung eines seiner Gemälde in deutschem Privatbesitz. Das signierte Stillleben ist jetzt nach Hanau zurückgekehrt – in das Museum der Stadt im Schloss Philippsruhe.

Autor an Redakteur

Theodor Fontane, Briefe an den Redakteur und Literaturhistoriker Gustav Karpeles, 1879–1890
Theodor Fontane, Briefe an den Redakteur und Literaturhistoriker Gustav Karpeles, 1879–1890

„Westermann’s illustrirte deutsche Monats-Hefte“ waren um 1900 die deutsche Kulturzeitschrift schlechthin. Einmal monatlich lasen Zehntausende von Abonnenten aus dem interessierten Bürgertum darin die neuesten Romane und Erzählungen im Vorabdruck; besonders beliebt waren Werke des poetischen Realismus, die offen und eindringlich von den Begeben- und Begrenztheiten des gesellschaftlichen Lebens kündeten. Nicht nur Marie von Ebner-Eschenbach, Friedrich Hebbel oder Theodor Storm brachten auf diese Weise ihre Schriften unters Volk, sondern auch Theodor Fontane, der unter anderem ein Kapitel aus seinen berühmten „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ bei Westermann veröffentlichte. Ansprechpartner dort war Gustav Karpeles, Redakteur und renommierter jüdischer Literaturhistoriker, der über Jahre hinweg für Fontane zum wichtigen Brief- und Gesprächspartner werden sollte – insbesondere über seine geplanten Bücher. Das Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam, das bereits den Großteil der überlieferten Korrespondenzen seines Namensgebers besitzt, konnte in der Schweiz nun 23 eigenhändige Briefe des Autors an Gustav Karpeles ersteigern.

Seid umkränzt, Schwestern

Jan Mijtens, Albertine Agnes von Nassau-Diez und Maria von Simmern im Blütenkranz, um 1665
Jan Mijtens, Albertine Agnes von Nassau-Diez und Maria von Simmern im Blütenkranz, um 1665

Wer auf sich hielt um 1650, der ließ sich von Jan Mijtens porträtieren. Erst waren es die hochrangigen Bürger seiner Heimatstadt Den Haag, dann der Adel. Und weil vor allem die königliche Familie derer von Oranje-Nassau jenen Maler stark beanspruchte, verbreitete sich sein Ruf in ganz Europa: Denn die Töchter der Oranjes heirateten in alle Welt. So auch Albertine Agnes, vermählt nach Nassau-Diez. Nicht nur sich selbst wollte die Fürstin in einem Bildnis von Mijtens’ Hand verewigt sehen, sondern auch ihre geliebten Schwestern Henriette Catharina und Maria. So entstanden in des Meisters Werkstatt gleich mehrere Versionen der drei hohen Damen, stets umkränzt von Blumen und beziehungsreicher Vanitas-Symbolik in der Form von Totenschädeln. Und dem Ableben von Albertine Agnes verdankte denn auch Dessaus Hof zwei Fürstinnenporträts, die Henriette Catharina als Fürstin von Anhalt-Dessau von der Schwester erbte. Nun konnten beide Bilder von den Nachfahren der Dargestellten erworben werden – und kehren so nach Schloss Oranienbaum zurück.

Anhaltischer Rätselbecher

Deckelbecher des Dessauer Meisters ICG, um 1700, Museum für Stadtgeschichte, Dessau
Deckelbecher des Dessauer Meisters ICG, um 1700, Museum für Stadtgeschichte, Dessau

Ein Stier verendet in den Pranken eines Panthers, ein Hirsch windet sich im Griff eines Leoparden, und ein Eber hat ein tödliches Rendezvous mit einem Löwen. Das jetzt nach Dessau zurückgekehrte schwere Deckelgefäß ist barocker Prunkbecher und Rätselbecher zugleich: Auf drei Granatapfelfüßen thront der doppelwandige, reich vergoldete, aufwendig dekorierte Kugelfußbecher des Dessauer Meisters ICG. Um 1700 entstanden, zeigt er die Lieblingsbeschäftigung des Adels, die Tierhatz. Allerdings ließ das auch in Jagdszenen beliebte Wappentier – der Löwe – die Forscher stutzig werden, ist die Heraldik des Hauses Anhalt doch völlig löwenfrei. War der Becher vielleicht ein Präsent des „Alten Dessauers“ Fürst Leopold I. an einen anderen Fürsten, der den Löwen im Wappen trug? Und ist das der Grund, weshalb das wertvolle Meisterwerk erhalten blieb? Denn der Großteil der Dessauer Gold- und Silberschmiedekunst ist verloren oder verschollen: Konnte sich Anhalt im Siebenjährigen Krieg zwar neutral halten, musste es anschließend doch an Preußen immense Kontributionen zahlen;  als „Feind“ behandelt, sah sich Fürst Franz etwa 100 Jahre nach Entstehung des Deckelbechers gezwungen, das kostbare Familiensilber zu barer Münze zu machen. Als eines der wenigen erhaltenen Stücke der barocken Dessauer Gold- und Silberschmiedekunst glänzt das Meisterwerk auf Vermittlung der Galerie Neuse nun im Museum für Stadtgeschichte in Dessau und beweist die hohe Kunst der Dessauer Silberschmiede.

Erstling des Jahrhundertkünstlers

 

Christian Daniel-Rauch, Satyr, Christian-Daniel-Rauch-Museum, Bad Arolsen
Christian Daniel-Rauch, Satyr, Christian-Daniel-Rauch-Museum, Bad Arolsen

Quer durch die Epochen der Kunstgeschichte, von der Antike bis in die Neuzeit, zogen die Satyrn im Gefolge des Dionysos. Ob Wein ausschenkend oder ausgelassen tanzend, ob Flöte spielend oder lüstern schönen Nymphen nachstellend: Ein Jahrhunderte währendes Fest bietet sich dem Betrachter dar. Ungewöhnlich mag daher die Darstellung anmuten, die als eines der frühesten Werke von Christian Daniel Rauch überliefert ist. Kein stürmisches Bacchanal, keine wilde Raserei – sondern schlicht und einfach: das Bildnis eines älteren Satyrs. Doch so statisch die Komposition der Büste, so lebendig ist die Physiognomie dieses Einzelgängers. Aus schräg stehenden Augen fixiert der Satyr sein Gegenüber. Die Brauen sind hochgezogen, die Lippen leicht geschürzt. Beinah dämonische Züge legt der künftige Schadow-Schüler seinem Satyr ins Gesicht – und hinterlässt ein frühes Zeugnis seines Könnens. Der königliche Schuhmachermeister Johann August Fleischer soll die Büste von Rauch selbst als Geschenk erhalten haben; rund zweihundert Jahre befand sie sich im Besitz seiner Nachfahren. Nun wurde der Satyr auf einer Berliner Auktion versteigert – und kann sich fortan zu Werken seines Schöpfers gesellen. Denn das Christian-Daniel-Rauch-Museum in der Geburtsstadt des Künstlers Bad Arolsen hat die Büste erworben. So kann das Haus, das Deutschlands erfolgreichstem Bildhauer des 19. Jahrhunderts gewidmet ist, fortan auch von den Anfängen des Meisters erzählen.