Erwerbungsförderung

Gebete auf Pergament

Eine reich verzierte mittelalterliche Handschrift, das sog. Gothaer Stundenbuch, kehrt in die Sammlung der Forschungsbibliothek Gotha zurück. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Die Forschungsbibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein freut sich über die Rück­kehr einer reich verzierten Gebetbuch-Handschrift, des sogenannten Gothaer Stundenbuchs, entstanden um 1500. Bis 1939 befand sich das Stundenbuch längere Zeit als ursprüngliches Eigentum des Herzoghauses von Sachsen-Coburg und Gotha im Besitz der ehemals herzoglichen Bibliothek auf Schloss Friedenstein, bevor es vor dem Zweiten Weltkrieg verkauft wurde. Aus schweizerischem Kunst­handel gelingt der Forschungsbibliothek der Universität Erfurt nun mit Unter­stützung der Kultur­stiftung der Länder, des Beauftragten der Bundes­regierung für Kultur und Medien und der Ernst von Siemens Kunststiftung die Rück­führung der kostbaren illuminierten Handschrift in die angestammte Sammlung.

Mit ihrem Reichtum an künstlerisch außergewöhnlich aufwendigen Miniaturen, dem sorgfältigen Initialen- und Bordürenschmuck und ihrem guten Erhaltungs­zustand zählt die lateinische Handschrift zu den hervorragenden Stundenbüchern der Zeit von 1480 bis 1530, als sich diese Gebetbücher bei den Fürstenhäusern in ganz Europa als Repräsentations- und Identifikationsobjekte großer Beliebtheit erfreu­ten. Das Gothaer Stundenbuch mit seinen 141 Pergament­blättern im Format 18,5×13 cm wird in seinem Hauptteil, dem Kalendarium, einem namenlosen Pariser Künstler, dem sogenannten Meister der Philippa von Geldern, und ihm angeschlosse­nen Werkstätten zugeschrieben.

Stundenbücher wurden nach individuellen Wünschen der Fürstenhäuser oder be­sonders wohlhabender Patrizierkreise in den renommiertesten europäischen Werk­stätten, besonders in Flandern und Nordfrankreich, hergestellt. Sie gehörten zu den Urbeständen der wichtigsten Adelshäuser Deutschlands; die erhaltenen Werke wer­den heute überwiegend in den Handschriftensammlungen öffentlicher Institutionen bewahrt. Das Gothaer Stundenbuch fügt sich nun endlich wieder als unverzicht­bares Einzelstück und lange vermisstes Zeugnis spätmittelalterlicher Buchmalerei in die Sammlung auf Schloss Friedenstein ein.

In der Publikationsreihe Patrimonia der Kulturstiftung der Länder ist, unterstützt von der Kreissparkasse Gotha, eine Monographie des Stundenbuchs erschienen. Diese ist auf www.kulturstiftung.de bestellbar.

Zur Präsentation am 4. August wird u.a. Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, anwesend sein.

Presse-/Fototermin: Dienstag, 4. August 2009, 17:30 Uhr, Forschungsbibliothek Gotha, Schloss Friedenstein, 99867 Gotha