PATRIMONIA NR. 365 (2013)

Ein Wiener Lyra-Sekretär des Empire

Die Lyra-Sekretäre sind eine ebenso illustre wie leicht unbestimmte Gattung von Schreibmöbeln wienerischer Provenienz. Sie sind zur Marke gewordene Schöpfungen, die mit ihrem phantasievollen Entwurf, der Raffinesse ihrer scheinbar zeitlos reduzierten Gestalt und exquisiten Verarbeitung zu den Höhepunkten der Kunst am Übergang von spätnapoleonischer zur Zeit des bürgerlichen Biedermeiers zählen und entscheidend zum Ruhm der Wiener Möbelkunst beigetragen haben. Namen gebend ist die auffällige Kontur des Korpus mit geschwungenen Seitenteilen, die an eine Lyra, ein antikes Zupfinstrument, erinnert. Anlässlich des 125jährigen Bestehens des Museums für Angewandte Kunst Köln wurde ein exzeptionelles Möbel dieser Art mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Overstolzengesellschaft sowie der Stadt Köln erworben. Die Entstehungszeit des Lyra-Sekretärs liegt um 1810. Damit ist er eines der frühesten bekannten und erhaltenen Exemplare, das in seinem ornamentalen und figürlichen Schmuck noch auf das höfische Empire verweist. In dieser Ausgabe wird das Kölner Möbel ausführlich vorgestellt. Dazu werden die Verhältnisse der Wiener Möbelkunst skizziert und die Gattung der Lyra-Sekretäre mit einigen Vergleichsstücken hinzugezogen.

Anschrift der geförderten Einrichtung:

Museum für Angewandte Kunst Köln
An der Rechtschule 1, 50667 Köln