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Ein Titan sucht Freunde

Die Universitätsbibliothek Rostock bittet um Ihre Hilfe bei der Restaurierung einer barocken Atlanten-Uhr.

Die Rostocker Atlanten-Uhr, Johann Samuel Nahl (?), um 1710
Die Rostocker Atlanten-Uhr, Johann Samuel Nahl (?), um 1710

Zum wertvollsten Kunstbesitz der Universität Rostock gehört die Rostocker Atlanten-Uhr – sie ist heute im sehenswerten Neubau der Universitätsbibliothek in der Rostocker Südstadt aufgestellt, der vom bekannten dänischen Architekten Henning Larsen entworfen wurde.

Die Uhr wurde um 1699 im Auftrag des ersten preußischen Königs Friedrich I. geschaffen. Die aus Lindenholz gefertigte barocke Skulptur des Atlas, eines Titanen der griechischen Mythologie, wird dem Berliner Hofbildhauer Johann Samuel Nahl (1664–1727) zugeschrieben. Das Uhrwerk besaß ein aus Porzellan gefertigtes Glockenspiel und ist ein Werk von Louis de Roy, einem hugenottischen Emigranten, der seit 1710 in einer Berliner Manufaktur nachweisbar ist.

Nach Mecklenburg gelangte sie 1746 als Hochzeitsgeschenk – das preußische Königshaus schenkte die Uhr anlässlich der Vermählung der württembergischen Prinzessin Luise Friederike mit Herzog Friedrich dem Frommen, in deren Residenz in Ludwigslust die Uhr aufgestellt wurde.

Nach Rostock kam die Uhr nach dem Tode Friedrichs des Frommen im Jahre 1785, als seine gebildete und kunstsinnige Witwe ihre Residenz im herzoglichen Palais der Stadt nahm. Hier pflegte Luise Friederike den Austausch mit dem bekannten Gelehrten Oluf Gerhard Tychsen, der die Professur für orientalische Sprachen innehatte und zugleich die Universitätsbibliothek leitete. Tychsen erhielt von ihr nicht nur „die köstliche Uhr von colossalischer Größe“ als Geschenk für die Bibliothek, sondern als Erbe auch ihre Bücher und die bedeutende Musikaliensammlung der Herzogin. Die Uhr wurde in der Universitätsbibliothek aufgestellt und zog 1870 mit ihr in das Universitätshauptgebäude, das nach umfassender Sanierung 2012 wieder eröffnet werden soll.

Das 20. Jahrhundert hat an der Skulptur erhebliche Schäden angerichtet, die die Universität mit Ihrer Hilfe, liebe Leserin und lieber Leser, lindern möchte: Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Uhr ausgelagert und später unsachgemäß aufbewahrt, so dass wichtige Teile des Uhrwerks verlorengingen. Nach einer ersten Restaurierung durch das Institut für Denkmalpflege Schwerin konnte die Atlanten-Uhr 1980 als eines der Glanzstücke in der Ausstellung „Gerettete Kunstschätze der DDR“ im Alten Museum in Berlin gezeigt werden. Durch ungünstige klimatische Bedingungen im Universitätshauptgebäude sind nach 1980 leider neue Risse im Holz entstanden, deren Fortschreiten durch geeignete Stabilisierungs- und Restaurierungsmaßnahmen verhindert werden soll. Ca. 5.500 Euro werden benötigt: Dafür bitten wir um Ihre Hilfe!

Für weitere Informationen:

Robert Zepf
Direktor der Universitätsbibliothek Rostock
Albert-Einstein-Straße 6, 18051 Rostock
Telefon: 0381-498 8600, E-Mail: direktion.ub@uni-rostock.de
http://www.ub.uni-rostock.de/