Erwerbungsförderung

Ein letztes Porträt

Das Mendelssohn-Haus erwirbt mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder ein Porträt der Komponistin Fanny Hensel von 1847 sowie ein weiteres Familienporträt der Familie Mendelssohn von 1860. Die beiden Arbeiten des Zeichners Wilhelm Hensel bereichern die neueröffnete Dauerausstellung des Leipziger Museums, die insbesondere das Leben und Werk Fanny Hensels in den Fokus nimmt.

Wie ihr weltberühmter Bruder Felix genoss Fanny Mendelssohn Bartholdy, spätere Hensel (1805–1847) eine umfassende musikalische Ausbildung. Auch sie bewies erstaunliches Talent am Klavier und komponierte bereits mit 14 Jahren ein eigenes Stück anlässlich des Geburtstages ihres Vaters. Obwohl man ihm eine aufgeklärte Geisteshaltung nachsagte, versagte dieser seiner begabten Tochter eine musikalische Karriere: Während er die Musik bei seinem Sohn als Berufung verstand, tat er sie bei Fanny als bloße Zierde ab. Da es als unschicklich galt, wenn Frauen des bürgerlich-akademischen Milieus Geld verdienten, verwehrte er ihr die Drucklegung und Veröffentlichung ihrer Kompositionen. Fanny fügte sich der gesellschaftlichen Erwartung: Sie beschränkte sich auf das Musizieren und Konzertieren im halböffentlichen Rahmen ihres Elternhauses – ihren „Sonntagsmusiken“ in der Leipziger Straße in Berlin wohnten oft namhafte Künstler der Stadt bei. Die Entfaltung einer künstlerischen Karriere überließ sie ihrem Ehemann, dem Maler Wilhelm Hensel (1794–1861). Erst in späteren Lebensjahren fasste sie sich ein Herz und veröffentlichte gegen den Willen des Vaters und des ihr eng verbundenen Bruders einige ihrer Kompositionen. Nach ihrem Tod setzte sich Wilhelm, der Fannys Talent stets unterstützt hatte, für die Publikation ihrer weiteren Werke ein.

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Nach seiner Ausbildung an der Berliner Kunstakademie machte sich der in Trebbin geborene Wilhelm Hensel als Maler am Berliner Hof einen Namen. Auch gerade dank der Familie Mendelssohn, deren Bekanntschaft er 1821 machte und in die er acht Jahre später einheiratete, verkehrte er in der kulturellen Elite seiner Zeit; sein prominentes Umfeld hielt er in tausenden Porträts fest. Auch seine Frau Fanny zeichnete er über die Jahre immer wieder, insgesamt 23 Bildnisse der Komponistin sind aus seiner Hand bekannt. 1847 porträtierte er sie ein letztes Mal: Mit betont großen Augen sieht Fanny den Betrachter direkt an, ein dezentes Lächeln umspielt ihre Lippen. Papillotierte, die Ohren bedeckende Locken rahmen ihr rundes Gesicht, die Arme hat sie unter der Brust locker verschränkt und auf dem Schoß abgelegt. Wenige Monate nachdem Wilhelm das Abbild seiner Frau mit Bleistift auf Karton bannte, starb Fanny im Alter von 42 Jahren an einem Schlaganfall.

Das Leipziger Mendelssohn-Haus, das sich im original erhaltenen Wohn- und Sterbeort Felix Mendelssohn Bartholdys dem Gedenken an den Komponisten widmet, eröffnet zum 20-jährigen Bestehen die räumlich erweiterte Dauerausstellung. Im zweiten Obergeschoss beleuchtet von nun an eine neukonzipierte Abteilung auf 200 qm das Wirken von Felix‘ älterer Schwester Fanny Hensel. Für die Präsentation des Œuvres der lange nur im Schatten ihres Bruders wahrgenommenen Musikerin und Komponistin erwarb das Museum aus dem Londoner Autographen-Handel mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung zwei Zeichnungen ihres Mannes Wilhelm Hensel: Zum einen das Porträt Fannys von 1847 und zum anderen ein Bild der beiden Enkelinnen des Ehepaars Hensel von 1860, auf dem Cécile (1857–1891) und Fanny (1858–1928) einander in den Armen halten. Wilhelm beschriftete die Zeichnung der Mädchen mit den Worten: „Hübsch daß man so vereinigt hat / Herzblättchen: beide auf einem Blatt!“.