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Ein Jahr im Grundwasser

Gibt es Rettung für die noch immer verschütteten Kölner Archivalien?

Über ein Jahr liegen sie jetzt im schmutzigbraunen Grundwasser: die Archivalien, die beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009 nach ganz unten in die Baugrube des U-Bahngebäudes gerutscht waren. Bis in den Herbst 2009 gelang es noch, aus dem Einsturztrichter stark verschmutzte und durchnässte Archivalien zu retten. Dann mussten die Bergungen eingestellt werden. Die Arbeiten in dem Einsturztrichter aus lockerem Bauschutt, Kies, matschigem Erdreich, zerstörtem Mobiliar, Akten, Ordnern oder wertvollen Handschriften waren für die Helfer zu gefährlich geworden.

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Inzwischen ist ein temporäres „Bergungsbauwerk“ errichtet, das zunächst die sichere Rettung der verbliebenen Archivalien ermöglichen soll und dann eine Untersuchung der Spundwände der U-Bahnbaustelle für die notwendige juristische Aufarbeitung des Einsturzes erlaubt. Dieses Bauwerk besteht vor allem aus 63 Betonpfählen – je 1,20 Meter dick –, die bis 38 Meter in die Tiefe reichen und den verfüllten, instabilen Einsturztrichter einfassen und stabilisieren. Schon beim Bohren der Löcher für die Betonpfähle konnten Archivalien geborgen werden: fünf laufende Meter – völlig durchnässte und verschmutzte, teilweise zerfetzte, aber auch völlig intakte Akten! Auch die Reste eines römischen Brandgrabs, die der Einsturz oder der reißende Grundwasserstrom mit sich gezogen hatte, waren unter den ersten Funden aus der Tiefe. Die Kölner Geschichte wurde beim Einsturz des Archivs bis in die Römerzeit durcheinandergewirbelt, und man darf gespannt sein, was nun innerhalb des Bergungsbauwerks zum Vorschein kommt. Noch besteht die Hoffnung, dass die über ein Jahr ohne Kontakt zu Licht und Sauerstoff im unbewegten Grundwasser liegenden und durch den Schutt zusammengepressten Archivalien teilweise in ihrer Substanz erhalten und zu restaurieren sind.

Mit dem Bagger werden nun seit Juli Trümmer, Erdreich und Archivalien innerhalb des Betonrings aus dem Schlamm gehoben, ausgebreitet und sortiert. Archivare und Restauratoren in drei Schichten arbeiten täglich zwischen 6 und 22 Uhr. Denn sobald die Archivalien wieder ans Licht und mit Sauerstoff in Berührung kommen, ist höchste Eile geboten. Der Schlamm aus Erde, Geröll und Zementstaub muss unverzüglich von Papier, Pappe oder Pergament abgespült werden – angetrocknet und zementiert ist er nicht mehr entfernbar und zerstört die Stücke endgültig. Auch der Befall mit Mikroben oder Schimmel setzt sofort nach der Bergung ein. Die nassen Bündel voller Kölner Geschichte werden deshalb unverzüglich in Stretch-Folie verpackt und in einem nahegelegenen Kühlhaus eingefroren. So gewinnt man vor allem Zeit! Nur etwa zwei Jahre können diese Archivalien eingefroren bleiben, dann müssen sie restauriert werden, sonst drohen weitere Schäden. Mit einer neuen Gefriertrocknungsmaschine wird den gefrorenen Archivalienpaketen dann das Wasser entzogen, danach erfolgt je nach Schadensbild eine Restaurierung. Bei den bis jetzt aus dem Grundwasser geborgenen Beständen handelt es sich beispielsweise um die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Trümmerakten zur Dokumentation der zerstörten Stadt, Sammlungen, Nachlässe und Familienarchive. Die aufwendige Bergung und die Restaurierung lohnen sich auf alle Fälle, denn im Einsturzkrater liegt mit den Akten auch die Dokumentation des bereits im Zweiten Weltkrieg weitgehend untergegangenen Kölner Stadtbildes!

Die Kulturstiftung der Länder unterstützt zusammen mit den Lesern von Arsprototo das Historische Archiv bei den Restaurierungsarbeiten. Mit Ihrer Spende ermöglichen wir die Rettung und Restaurierung der hochbedeutenden mittelalterlichen Handschriften Kölns. In den letzten Ausgaben sind bereits mehrere Handschriften aus der Sammlung Wallraf vorgestellt worden. Helfen Sie mit, die Kölner und gleichzeitig unsere eigene Geschichte zu erhalten.