Editorial

Kulturerbe Musik

Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder und Herausgeberin von Arsprototo stellt Ihnen das neue Heft vor.

von Isabel Pfeiffer-Poensgen

Liebe Leserin, lieber Leser,

über 130 öffentlich finanzierte Symphonie- und Kammerorchester, mehr als 80 Musiktheater und bald 1.000 Musikschulen mit rund 1 Million Schülerinnen und Schülern – in Punkto Musikkultur steht Deutschland wohl fast einzigartig da. Nicht von ungefähr prägt ­Musik in Gegenwart und Geschichte auch das Bild von unserem Land in aller Welt. Bach und Händel, ­Schubert und Wagner sind längst globale Helden, deren „Sprache ohne Worte“ man über Grenzen hinweg versteht. Und Ludwig van Beethoven war im letzten Jahr sogar der meistgespielte Komponist weltweit – unter den Klassikern, versteht sich.

Aber damit noch nicht genug: Denn zu Klangkörpern und Schulen kommen die Musikbibliotheken, die Musikabteilungen der großen Bibliotheken und – eine Besonderheit – die zahlreichen Komponistenhäuser, die als Museen, Archive und Forschungsstätten meist einen engen historischen Bezug zum Wohn- und Wirkungsort eines Komponisten haben und auf diese Weise ein ganz eigenes historisches Fluidum verbreiten, denken Sie nur an das Beethoven-Haus in Bonn oder das Bach-Archiv in Leipzig.

Die Kulturstiftung der Länder ist sehr glücklich, dass es nun gelungen ist, gleich mehrere Institutionen von Berlin bis München beim Erwerb von hochbedeutenden Musikautographen zu unterstützen. So umfangreich der Gegenstand und so zahlreich die Partner, so komplex und langwierig waren die Verhandlungen: Am glücklichen Ende konnte mit dem historischen Archiv des Schott-Verlages und der Musikbibliothek Peters ein beeindruckendes musikalisches Gedächtnis für die Öffentlichkeit gesichert werden, das gut zwei Jahrhunderte umspannt. Bekannte und vergessene Namen sind darunter – ein Zeitbild jenseits des heutigen Kanons und ein Fundus für Entdeckungen und Wissenschaft, wovon wir Ihnen heute erzählen möchten.

Das Land Bayern, das wir mit dieser Ausgabe von Arsprototo würdigen, freut sich nicht nur auf ­bedeutende Musikhandschriften, sondern auch auf die Sammlung von Ingvild Goetz. Über Jahrzehnte hinweg hat die renommierte Kennerin der zeitgenössischen Kunst eine herausragende Kollektion zusammengetragen, die sie unlängst zu großen Teilen dem Freistaat Bayern zum Geschenk gemacht hat – Grund genug für Arsprototo, Ingvild Goetz in unserer Reihe über die prägenden Sammlerpersönlichkeiten unseres Landes zu porträtieren.

Übrigens: Arsprototo gibt es jetzt seit 10 Jahren! Freuen Sie sich mit uns – und unterstützen Sie uns bitte weiter mit Ihrer Spende. Wir denken: Es lohnt sich.

Ihre Isabel Pfeiffer-Poensgen

Isabel Pfeiffer-Poensgen

war von 2004 bis 2017 Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, seit Juni 2017 ist sie Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.