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Doppelte Ruinen

Im Barock-Schloss Bruchsal brauchen zwei Landschaftsgemälde Ihre Unterstützung von Petra Pechaček und Elena Hahn

von Petra Pechaček und Elena Hahn

Die Bezeichnung „Ruine“ trifft besonders für das erste der beiden hier vorgestellten Gemälde aus Schloss Bruchsal im doppelten Sinne zu: Teile eines alten Bauwerks sind zu erkennen, beschädigt, von Rissen durchzogen und umgestürzt. Ebenso fragmentarisch präsentiert sich die Leinwand selbst, in der ein großes Loch klafft. Die dort fehlenden, bemalten Leinwandstücke werden sorgsam verwahrt. Welche Qua­lität dieses Gemälde einst auszeichnete, verrät das ebenfalls restaurierungsbedürftige Gegenstück, die „Tempelruine in einer Landschaft“. Hier ist zwar die Leinwand unbeschädigt erhalten, doch das Gemälde macht einen trüben Eindruck, denn die Firnisschicht ist im Laufe der Zeit stark nachgedunkelt. Eine erste probeweise Firnisabnahme zeigte, dass unter der gelblichen Schicht und dem Staub und Ruß der vergangenen Jahrhunderte weitaus strahlendere Farben verborgen sind, die man durch eine fachgerechte Reinigung wieder sichtbar machen könnte.

„Ruinenlandschaft“, stark beschädigtes Gemälde aus Schloss Bruchsal, 122 × 105 cm; © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
„Ruinenlandschaft“, stark beschädigtes Gemälde aus Schloss Bruchsal, 122 × 105 cm; © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Die beiden großformatigen Ölgemälde entstanden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Stil des bekannten Ruinenmalers Johann Heinrich Roos (1631–1685) und befinden sich noch in ihrer originalen, wenn auch beschädigten Rahmung. Solche Darstellungen verfallener antiker Bauten, die die Vergänglichkeit symbolisieren, waren im Barock sehr beliebt. Ein Gemäldeinventar aus dem Jahr 1891 verzeichnet die Bilder als „Architekturstück mit Thieren“ im sogenannten Galeriezimmer. Historische Aufnahmen des Raumes aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts belegen, dass es sich um diese beiden Ruinenlandschaften handelt.

Schloss Bruchsal, die einstige Residenz der Fürstbischöfe von Speyer und späterer Witwensitz der Markgräfin Amalie von Baden, war zu dieser Zeit bereits öffentlich zugänglich. Die prächtig ausgestatteten Appartements waren mit kostbaren Tapisserien, erlesenen Möbeln und nicht zuletzt mit einer umfangreichen Gemäldesammlung eingerichtet. Unter den 233 Bildern waren auch Stücke, die bereits der Erbauer des Schlosses, Damian Hugo von Schönborn, angekauft hatte. Die beiden hier vorgestellten Gemälde zählen zum originalen Bruchsaler Gemäldebestand, der 1939 und 1944 gemeinsam mit anderen Kunstgegenständen ausgelagert wurde und dadurch die vernichtende Bombardierung Bruchsals am 1. März 1945 überstand.

„Tempelruine in einer Landschaft“, Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, 122 × 105 cm; © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
„Tempelruine in einer Landschaft“, Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, 122 × 105 cm; © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Das in weiten Teilen zerstörte Schloss wurde ab 1947 wieder aufgebaut, denn die wertvollen erhaltenen Mobilien sollten an ihrem ursprünglichen Ort wieder gezeigt werden. In der ehemaligen Beletage wurden für diese musealen Präsentationen moderne zweckmäßige Räume geschaffen und das Schloss mit einigen wenigen rekonstruierten Sälen im Jahre 1975 wiedereröffnet.

Seit 2002 wird die ursprüngliche Struktur der ehemaligen fürstbischöf­lichen Appartements der Beletage wieder­hergestellt, um die rund 350 originalen Ausstattungsstücke in ihrem einstigen Raumkontext erlebbar zu machen. Die Schloss Bruchsal betreuenden Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg kommen damit ihrem Auftrag nach, das historische Erbe des Landes zu bewahren und es zugleich für ein breites Publikum zu öffnen, die Bedeutung der Bauwerke zu vermitteln und sie weiter zu entwickeln. Die Wiedereröffnung der Neupräsentation der Beletage von Schloss Bruchsal ist für Ende April 2017 geplant.

Historische Aufnahme des Galeriezimmers in Schloss Bruchsal von 1920/30, Blick nach Nordwesten. Die „Tempelruine“ in der Mitte der unteren Gemäldereihe; © Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
Historische Aufnahme des Galeriezimmers in Schloss Bruchsal von 1920/30, Blick nach Nordwesten. Die „Tempelruine“ hängt in der Mitte der unteren Gemäldereihe; © Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

Stark beschädigte Objekte wie die „Ruinenlandschaft“ konnten bisher nicht in das Konzept der Wiedereinrichtung einbezogen werden, da ihre Restaurierungen den Kostenrahmen des umfangreichen Projekts gesprengt hätten. Nach unserer Schätzung belaufen sich die Kosten für die Restaurierung beider Gemälde auf insgesamt 7.000 Euro, die Sicherung und Ergänzung der beiden Originalrahmen auf rund 5.000 Euro.

Durch die Restaurierung der beiden „Ruinenlandschaften“ könnten mit Ihrer Hilfe die beiden originalen Bruchsaler Gemälde an ihren ursprünglichen Ort zurückkehren und damit die geplante Ausstattung des Galeriezimmers mit Bruchsaler Meisterwerken in barocker Hängung komplettieren.

Wir bitten Sie herzlich, liebe Leserin und lieber Leser, um Unterstützung für Schloss Bruchsal. Spenden Sie für die Restaurierung der Gemälde „Tempel­ruine“ und „Ruinenlandschaft“ und überweisen Sie bitte unter dem Stichwort „Schloss Bruchsal“ auf eines der Konten der Kulturstiftung der Länder. Vielen Dank!

Hier finden Sie alle Informationen zu den Spendenmodalitäten!

Petra Pechaček und Elena Hahn

Petra Pechaček ist die für Schloss Bruchsal zuständige Konservatorin und Projektleiterin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg für die Wiedereinrichtung der Beletage Bruchsal, Elena Hahn ist wissenschaftliche Mit­arbeiterin bei diesem Projekt.

Schloss Bruchsal
Schloßraum 4
76646 Bruchsal
Telefon 07251 742661
http://www.schloss-bruchsal.de/start/