Erwerbungsförderung

Brief mit Beweiskraft

Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt erwirbt einen verschollen geglaubten Brief von Martin Luther von 1517. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Nicht nur für die Lutherforschung ist es ein elektrisierender Fund: „Selbst ein Karl­stadt ist bereit, sogar mit Vergnügen allen derartigen Sophisten und Juristen zu widersprechen. Er wird es tun und Erfolg haben.“ Nur dieser Satz von Martin Luther aus einem Brief von 1517 war durch ein späteres Zitat bekannt. Ende 2009 tauchte das Original des Luther-Briefes – als Fragment erhalten – auf einer Auktion von Stargardt und Moirandat in Basel auf und konnte von der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachen-Anhalt (Wittenberg) mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Landes Sachsen-Anhalt er­wor­ben werden.

Nur 22 Briefe Luthers sind aus dem wichtigen Jahr des Thesenanschlags 1517 überliefert. Das Brieffragment steht zeitlich am Wendepunkt, als Luther fest­stellen konnte, dass sich immer mehr Gelehrte seinen Auffassungen anschlossen. Eben dies beschreibt auch der erworbene Brief. Martin Luther verfasste den Brief an seinen Ordensbruder und Vertrauten Johann Lang, vorher Professor in Witten­berg wie Luther und später Prior in Erfurt, am 28. März 1517. In ihren häufigen Briefen diskutierten die beiden Augustinermönche ihre theolo­gischen Ansichten und reformatorischen Ziele: Bibelauslegung unter Berücksich­tigung der hebräischen und griechischen Texte, Rückgriff auf die Kirchenväter, Abkehr von der Scholastik.

Dieser Brieffund von Martin Luther an seinen Freund Lang bedeutet viel für die Reformationsforschung. Nicht nur, dass Luther die alte Namensform „Luder“ ver­wendet und sich der Reformator als „Augustinermönch“ bezeichnet, der Brief mar­kiert auch den Moment, an dem Luther von vielen Seiten Bestätigung erfährt. Luther zeigt sich erleichtert („Benedictus deus Amen“) darüber, dass Andreas von Bodenstein Karlstadt ­­ein Anhänger seiner Thesen wird. Der Gelehrte Karlstadt hatte Luther in Wittenberg als Dekan promoviert und war später zeitweise glühen­der Mitstreiter der Reformation. Als Professor der Theologie in Wittenberg hatte er anfangs Luthers Thesen verurteilt und versucht, sie zu widerlegen.

Martin Luther lehrte seit 1513 in Wittenberg als Doktor der Theologie, später als Professor. Ab dieser Zeit kri­tisierte er die mittelalterliche Kirche mehr und mehr. Luther vertrat u. a. die Auf­fas­sung, dass die ewige Gerechtigkeit Gottes ein Gnaden­geschenk sei, die jedem widerfahre, der an Jesus Christus glaube. Kein Mensch könne diese Gnade erzwingen – damit kritisierte Luther scharf den um sich greifenden Ablasshandel der Kirche. Entgegen Luthers eigentlicher Absicht kam es auch aufgrund seiner reformatorischen Bemühungen zur Kirchenspaltung.

Presse-/Fototermin: Dienstag, 4. Mai 2010, 14:30 Uhr, Lutherhaus Wittenberg, Collegienstraße 54, 06886 Lutherstadt Wittenberg

Brief-Fragment Martin Luthers, © Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Brief-Fragment Martin Luthers, © Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

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