Erwerbungsförderung

Wächterkönig für Köln

Die Stadt Köln erwirbt für das Museum für Ostasiatische Kunst anlässlich seines 100-jährigen Bestehens die seltene chinesische Marmorfigur eines Wächterkönigs (Lokapala) aus dem 9. – 10. Jahrhundert. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Mit zorniger Miene, schwerer Rüstung und ihrer stattlichen Größe von 1,22 Metern macht die über eintausend Jahre alte chinesische Marmorfigur ihrer ursprünglichen Funktion alle Ehre: Als in Stein gemeißelter sogenannter Wächterkönig („Loka­pala“) eines buddhistischen Tempels sollte er böse Geister von dem Heilig­tum fernhalten – er flankierte seinerzeit zusammen mit weiteren marmornen Wächtern das zentrale Kultbild. Nun hat die Stadt Köln für das Museum für Ostasiatische Kunst die seltene und wertvolle Steinskulptur aus einer taiwanesischen Privat­sammlung mit Unter­stützung der Kulturstiftung der Länder, der Orientstiftung und der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen aus dem Londoner Kunsthandel erworben. Das Museum präsentiert sie zukünftig prominent in seiner Ausstellung.

Die qualitätsvolle Meißeltechnik der Lokapala-Figur sowie ihr realistischer und zugleich weicher Stil lassen eine Herkunft aus der chinesischen Provinz Shaanxi vermuten, wo sie zur Zeit der Tang-Dynastie im 9. und 10. Jahrhundert entstand. Damit schließt die Wächterfigur eine Lücke in der deutschlandweit bedeutendsten Kölner Sammlung früher chinesischer Steinskulpturen des 6. bis 8. Jahrhunderts und späterer Holzskulpturen des 11. bis 12. Jahrhunderts. Die Museumsgründer, das Ehepaar Adolf Fischer (1857-1914) und Frieda Bartdorff (1874-1945), brach­ten viele wertvolle Stücke bereits 1909 nach Köln.

Mit ihrer detailreichen, präzisen Darstellung und Resten der früheren Bema­lung in grün, rot und blau ist die Lokapala-Skulptur ein besonders gut erhaltenes Meister­werk, das den Betrachter in seinen Bann zieht: „Man kann sich ihrer [der Lokapala-Figur] Präsenz kaum entziehen. Die Wendung des jugendlichen Körpers fordert ge­radezu dazu auf, sie zu umgehen und ihren Schwung mit­zu­vollziehen“, begeister­te sich Lothar Ledderose, Direktor des Instituts für Kunst­geschichte Ost­asiens an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, in sei­nem Gutachten. Der gu­te Zustand des Wächterkönigs ist ein Glücksfall, denn im Unterschied zu Buddha­figuren sind nur noch wenige skulpturale Darstellungen von Wächterkönigen in chinesischen Tem­peln, aber auch in asiatischen und westlichen Sammlungen er­halten. Inner­halb der Hierarchie des buddhistischen Pantheons niedriger als Bu­ddhas und Bodhisattvas eingestuft, kümmerte man sich zudem weniger um den Erhalt der Wächterfiguren. Passend zu seinem 100-jährigen Bestehen krönt das Museum für Ostasiatische Kunst nun seine Sammlung mit der spektakulären Skulptur des Lokapala.

Presse-/Fototermin: Montag, 11. Oktober 2010, 13 Uhr, Museum für Ostasiatische Kunst, Universitätsstraße 100, 50674 Köln