Erwerbungsförderung

Blechen in Branitz

Die Stadt Cottbus erwirbt für die Stiftung Fürst-Pückler-Museum in Branitz das Carl Blechen zugeschriebene Gemälde „Felslandschaft mit einem Einsiedler“, um 1822. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

„War er’s oder war er’s nicht? Ein Forscherkrimi“, schrieb Michael Zajonz jüngst in der Zeitschrift Arsprototo über dieses Gemälde und die Zuschreibung auf den Maler Carl Blechen. Darüber sind sich die Experten jedenfalls einig: Das aus Rostocker Privatbesitz über den Kunsthandel jetzt nach Branitz gelangte unsignier­te und undatierte Gemälde ist im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts im Umfeld Karl Friedrich Schinkels entstanden. Der renommierte Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan wagte nach eingehender Untersuchung der 106,3 mal 140 Zentimeter großen romantischen Ideallandschaft die Zuschreibung zu Carl Blechen. Er ist sich sicher, es handelt sich um ein frühes Meisterwerk des Berliner Akademie-Studenten Blechen, der in dieses Bild all seine Fertigkeit in akademischer Technik einfließen ließ, gleichsam ein Programmbild der deutschen Romantik erschuf. Später wurde Carl Blechen (1798 Cottbus – 1840 Berlin) zum Wegbereiter moderner Freilicht­malerei und, neben Caspar David Friedrich, zum bedeutendsten Landschaftsmaler der deutschen Früh-Romantik.

Die Stadt Cottbus konnte das Gemälde nun für das Fürst-Pückler-Museum in Branitz mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, der Sparkasse Spree-Neiße und der CARL BLECHEN Gesellschaft erwerben. Dort, im Branitzer Barockschloss inmitten des Parks des berühmten Gartenarchitekten Hermann von Pückler-Muskau, befindet es sich in guter Gesellschaft – kann die kommunale Sammlung doch bereits rund 70 Werke Blechens ihr eigen nennen.

Der weite Blick entführt den Betrachter auf Blechens Gemälde ans glitzernde Meer in der schier unendlichen Ferne, im felsigen Bildvordergrund sitzt an einem Stein­kreuz ein Eremit, der seine Bibellektüre unterbricht, um ehrfürchtig das Schauspiel des Sonnenaufgangs zu betrachten: Im Schöpfungswunder der Natur fanden die Romantiker die Erlösung. Carl Blechen, der als Banklehrling in Berlin scheiterte, malte dieses Bild wohl in seiner Zeit als Schüler bei Peter Ludwig Lütke in Berlin, bevor er sein Studium abbrach und nach Dresden ging, um im Umkreis Johan Christian Dahls und Caspar David Friedrichs seinen eigenen künstlerischen Stil zu entwickeln. Blechens Berliner Zeit liegt weitgehend im Dunkeln, wenig ist über­liefert, man weiß, dass Schinkel den jungen Maler früh und zeitlebens förderte. Mit der neuentdeckten „Felslandschaft mit einem Einsiedler“ wird auf Schloss Branitz nun vermutlich ein leuchtendes Schlaglicht auf Blechens Frühwerk geworfen.

Presse-/Fototermin: Montag, 13. September 2010, 18 Uhr, Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Robinienweg 5, 03042 Cottbus

Carl Blechen (zugeschrieben), „Felslandschaft mit einem Einsiedler“, um 1822
© Stiftung Fürst Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Carl Blechen (zugeschrieben), „Felslandschaft mit einem Einsiedler“, um 1822 © Stiftung Fürst Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

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