Erwerbungsförderung

Die Monumentalität des Minimalen

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erwerben für die Sammlung Moderne Kunst an der Pinakothek der Moderne 75 Originalfotografien von Karl Blossfeldt. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Karl Blossfeldt, Ptelea trifoliata / Kleeulme, 6 x vergr. 1915-1925, 29,8 x 23,8 cm; Pinakothek der Moderne München
Karl Blossfeldt, Ptelea trifoliata / Kleeulme, 6 x vergr. 1915-1925, 29,8 x 23,8 cm; Pinakothek der Moderne München

Mit der Erwerbung von 75 herausragenden Originalfotografien Karl Blossfeldts be­reichern die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen entscheidend ihre vor 10 Jah­ren gegründete Sammlung Fotografie in der Pinakothek der Moderne: Die 75 Vintage-Prints aus der Sammlung Ann und Jürgen Wilde gehören zu dem einzig­artigen Werk von Pflanzen­aufnahmen, die seit den 1890er Jahren bis zu Bloss­feldts Tod 1932 in Stil und künstleri­scher Gestaltung die moderne Fotokunst entschei­dend beeinflussen sollten. Die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und der Freistaat Bayern unterstützten den Ankauf.

Nachdem im Kaiserreich Historismus, Neubarock und Neuromanik teilweise über­bordende Schöp­fungen von Malerei, Architektur und Wohnkultur hervorge­bracht hatten, folgte die maximale Abkehr von diesen Kunstformen: Die formale Klarheit und sachliche Eleganz, aber auch die Unergründlichkeit der Pflanzenwelt mit ihren mythischen und fabelhaften Assoziationen avancierte zum Arsenal des Jugend­stils, der in seiner zunächst floralen, später linearen Ausprägung die Angewandte Kunst revolutionier­te. Daran nicht unwesentlich beteiligt war die Er­fin­dung der Fotogra­fie, deren technischen Hervorbringungen Walter Benjamin ei­nen „magi­schen Wert“ zuschrieb, wie ihn kein gemaltes Bild mehr besitzen könne. Die Foto­kamera eröff­nete mit ihren Möglichkeiten neue Wege für die Durchdrin­gung von Wirklichkeit. So erlangte die Fotografie bald selbst den Rang von Kunst und einer ihrer wich­tigen Protagonisten war Karl Blossfeldt. Was der Foto­graf ursprünglich als Doku­mente für die Kunst­erziehung seines Förderers, des Hoch­schullehrers Moritz Meurer, an der Königli­chen Kunstgewerbeschule in Berlin schuf, zählt heute zu den Ikonen der Neuen Sachlichkeit.

Karl Blossfeldt (1865–1932) gehört international zu den herausragenden Fotogra­fen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Pflanzenstudien zählen zu den Schlüsselwerken der „Neuen Fotografie“. Nicht zuletzt durch die Veröffent­lichung seines Werks „Urformen der Kunst“ mit sachlichen, detailreichen und auf starke Vergrößerung angelegten Fotografien wurde Blossfeldt mit August Sander und Albert Renger-Patzsch zum Wegbereiter der Neuen Sachlichkeit.

Das weltweit einzigartige Konvolut aus 75 Vintage-Fotografien Blossfeldts (Gelatinesilber-
Abzüge von der Hand des Künstlers), zwischen 1898 und 1932 entstanden, stammt aus dem Nachlass des Fotografen. Ann und Jürgen Wilde hatten bereits im Jahr 2010 ihre Sammlungen und Archive zur Fotografie des 20. Jahrhunderts in eine Stiftung überführt, die den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert ist. Dort ergänzen nun Blossfeldts Inkunabeln der Fotokunst aufs schönste eines der bedeutendsten Fotografen-Archive des 20. Jahrhunderts.