Erwerbungsförderung

Zoedlers Gläser

Das Schlesische Museum zu Görlitz erwirbt kostbare schlesische Gläser des 17. bis 19. Jhds. aus der Sammlung von Dietmar Zoedler. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Die Fragilsten aller Exponate finden einen festen Platz: Das Schlesische Museum zu Görlitz hat mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Beauf­tragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung 35 Objekte der kostbaren Sammlung schlesischer Gläser von Prof. Dietmar Zoedler erworben. Das 2006 in einem neuen Gebäudekomplex wieder­eröffnete Museum hat sich auf die Kulturgeschichte Schlesiens der letzten 1.000 Jahre spezialisiert und ist in Deutschland die zentrale Sammlung für die Geschich­te Schlesiens – dessen Glasproduktion vom Ende des 17. bis Mitte des 19. Jahr­hunderts europaweit führend war. Ab Ende des 17. Jahrhunderts liefen Schlesien und Böhmen dem bis dahin tonangebenden venezianischen Glas den Rang ab, denn im Gegensatz zu den dünnwandigen italienischen Fabrikaten waren die schlesischen Erzeugnisse für jedweden Schliff und Schnitt bestens geeignet.

Das gesamte Konvolut bildet nun das breite Spektrum schlesischer Glaskunst ein­drucksvoll ab. Es sind durchsichtig oder matt gearbeitete Becher, Schalen und Pokale, manche bis zu 24 cm groß, farblos gehalten oder stellenweise vergoldet, manche mit Henkel oder Deckel. Christian Gottfried Schneider, Meister der Zunft im 18. Jahrhundert, erschuf eine ganze Architekturanlage auf einem Glas. Die ältesten Gläser der Sammlung Zoedler stammen aus dem späten 17. Jahrhundert. Einige Exemplare sind Friedrich Winter und seiner Werkstatt zuzuweisen, dem bedeutendsten schlesischen Glasschneider in dieser frühen Epoche. Seine besten Gläser sind im Hochschnitt gearbeitet: Aus der starken Wandung eines Glases wird der Dekor im Relief herausgearbeitet, indem das umgebende Material Schicht für Schicht durch Schliff und Gravur abgetragen wird. Nur wenige dieser Inkunabeln des schlesi­schen Glases haben sich erhalten.

Die in den 1950er Jahren begonnene Sammlung zerbrechlichen Kunsthandwerks des international renommierten, in Breslau geborenen Professors für Urologie gipfelte 1996 in seinem Standardwerk „Schlesisches Glas – Schlesische Gläser“ (Bergstadt­verlag Köln); Dietmar Zoedlers Sammlung erweist sich als detaillierte Dokumentation sowohl der Kunst wie der Geographie: Gefäße mit Ansichten von Breslau und des Riesen­gebirges, mit Schlachtenszenen und Schäferspielen finden sich nebeneinander in dieser Sammlung, viele davon ausgeführt in einer komplexen Schnitt- und Schlifftechnik, für die das Schlesische Museum bis dato kein Anschauungsmaterial vergleichbar in Fülle und Qualität präsentieren konnte.

Pokal mit Wappen, Architekturelementen und Gartenszene
Christian Gottfried Schneider zugeschrieben, Schlesien Mitte 18. Jahrhundert, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

Pokal mit Wappen, Architekturelementen und Gartenszene Christian Gottfried Schneider zugeschrieben, Schlesien Mitte 18. Jahrhundert, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

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Hochschnittpokal mit Darstellung des Lammes Gottes
Friedrich Winter, Hermsdorf um 1690, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

Hochschnittpokal mit Darstellung des Lammes Gottes Friedrich Winter, Hermsdorf um 1690, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

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Fußbecher mit Ansicht von Warmbrunn in Transparentmalerei auf opakem Grund
Warmbrunn um 1850, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

Fußbecher mit Ansicht von Warmbrunn in Transparentmalerei auf opakem Grund Warmbrunn um 1850, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

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Wappenpokal mit spielenden Putti
aus der Werkstatt von Friedrich Winter, Hermsdorf um 1720, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

Wappenpokal mit spielenden Putti aus der Werkstatt von Friedrich Winter, Hermsdorf um 1720, SMG, Foto: René Pech, © Schlesisches Museum zu Görlitz

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