Erwerbungsförderung

Im Glühen dunkler Farbe

Das Museum Wiesbaden erwirbt Hans von Marées kostbares Gemälde „Die Labung“ (1880), das zuvor aufgrund eines NS-verfolgungsbedingten Entzugs an die Erben des Kunstsammlers Max Silberberg restituiert wurde. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Lediglich die Rückseite des Gemäldes sollte sichtbar sein, bis die fehlenden Mittel für die bedeutende Erwerbung gesichert sind. Sieben Wochen lang staunten Besucher des Wiesbadener Museums über die mit rätselhaften Kreideziffern und vergilbten Etiketten übersäte Rückwand von Hans von Ma­rées „Die Labung“ – Spuren am Gemälde, die die Geschichte eines verfolgungs­bedingten Entzugs erzählen: Denn nach museumsinternen Recherchen der Kunsthistorikerin Miriam Merz – in einem von der Berliner Arbeitsstelle für Provenienzforschung geförderten Projekt – versteigerte der jüdische Kunstsammler Max Silberberg aufgrund erlittener nationalsozialistischer Repressalien das Bild notgedrungen als Teil seiner wertvollen Kunstkollektion auf einer Berliner Auktion am 23. März 1935. Damit das 1980 als private Schen­kung in die Wiesbadener Sammlung gelangte Werk weiterhin als Glanzlicht des 19. Jahrhunderts im Museum erstrahlen kann, kontaktierte das Haus die Nachfahren des 1942 nach Theresienstadt deportierten Max Silberberg; gemeinsam fand man eine faire und gerechte Lösung im Sinne der Washingtoner Erklärung. Das 1880 entstandene Werk erwarb das Museum nun rechtmäßig von den Erben mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Vereins Freunde des Museums Wiesbaden und der Hessischen Kulturstiftung sowie durch das breite Engagement der Wiesbadener Bürgerschaft, die im Rahmen der Spendenaktion „Wiesbaden schafft die Wende“ gewonnen werden konnte.

Jetzt vollzog das Museum die Bildwende. Im Glühen dunkler Farbigkeit zeigt „Die Labung“ eine arkadische Landschaft mit mythologischen Figuren – eine freie Adaption der Begrüßung des schiffbrüchigen Odysseus durch die Königstochter Nausikaa, gefasst als idealistisches Sinnbild menschlichen Verhaltens. Hans von Marées (1837–1887) – als italienaffiner Deutschrömer neben Arnold Böcklin und Anselm Feuerbach einer der bedeutendsten Maler des 19. Jhd. – lasierte die 64 x 85 cm große Pappelholztafel in seiner experimentellen Maltechnik wechselnder Schichten von Öl- und Temperafarbe und gewann so eine plastische Anmutung der Figuren in leuchtend-farbiger Intensität. Das Werk aus einer Zeit des künstlerischen Aufbruchs bildet als Scharnierbild in der Sammlung des Museums die Brücke von den traditionellen Bildauffassungen des 19. Jahrhunderts zur Moderne, auf deren namhafte Vertreter Franz Marc, Paul Klee und Karl Hofer Hans von Marées Einfluss ausübte. Zudem hängt es fortan als Zeichen für das begangene Unrecht während der NS-Zeit sowie den heutigen verantwortungsvollen Umgang mit Raubkunst im Museum Wiesbaden. Hier wird 2015 ein neues hessisches Zentrum für Provenienzforschung angesiedelt, wie Kunst- und Kulturminister Boris Rhein ankündigte.

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