Erwerbungsförderung

Fotorevolution

Das Museum Ludwig Köln kann eine umfangreiche Kollektion seltener Fotografien der russischen Avantgarde der 1920er und 30er Jahre erwerben – die Sammlung Daniela Mrázkowá. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

„Das Neue Sehen“ – das bedeutete für die Avantgarde-Fotografen im Russland der 1920er Jahre die radikale Abkehr von der klassischen Tradition der Fotografie. Ungewohnte Bildausschnitte, extreme perspektivische Mittel, neue Motive wie Fa­briken oder Porträts der vielen Völker der Sowjetunion – die kreative Entwicklung der russischen Fotografie-Kunst der 1920er bis 1930er Jahre doku­mentiert einmalig die Sammlung von 234 Original-Fotografien der Sammlerin Daniela Mrázkowá, die diese Kollektion von Prag aus in den Jahren zwischen 1965 und 1975 zusammen­getragen hat. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Kunststiftung NRW und des Landes Nordrhein-Westfalen gelingt der Stadt Köln nun der Ankauf dieser Samm­lung für das Museum Ludwig in Köln. Sie berei­chert hervorragend die bereits im Museum vorhandene Sammlung russischer Avant­garde-Malerei, -Grafik und -Fotografie, die das Ehepaar Ludwig seit den 1970er Jahren angelegt hatte und die als Leih­gabe dieses wichtige Kapitel der Kunst des 20. Jahrhunderts einem breiten Publikum auch außerhalb Russlands zugänglich macht.

Herausragende Vertreter der sowjetischen Fotografie sind versammelt: Arbeiten von u. a. Aleksandr Rodtschenko, Arkadij Schajchet, Georgij Sel’ma, Boris Ignatowitsch, Maks Al’pert und Georgij Petrusov ermöglichen einen umfassenden Überblick über die Dokumentations- und Reportagefotografie in der Sowjetunion dieser Jahre – und sie führen ebenso die spätere Vereinnahmung dieser Avantgarde-Kunst für Propagandazwecke der sowjetischen Diktatur stalinistischer Prägung eindrucksvoll vor Augen. Viele der Künstler wurden bereits Ende der 1920er Jahre verfolgt oder ästhetisch in die ideologische Propaganda des „Sozialistischen Realismus“ gedrängt. Die Ideen der sowjetischen Fotografen, ihre künstlerischen und politischen Uto­pien, wurden erst viel später auch in der westlichen Kunst bedeutsam: Aktiv woll­ten sie die gesellschaftlichen Verhältnisse mit ihrer Kunst beeinflussen, den Aufbau des Sozialismus durch die dokumentarischen, künst­lerischen und publizistischen Mittel in einer revolutionären Zeit mitgestalten und auch das große Heer der Analphabeten in dieser Zeit erreichen.

Im Museum Ludwig Köln können nun diese authentischen Zeugnisse im Rahmen des Sammlungsschwerpunkts „Russische Avantgarde im 20. Jahrhundert“ präsentiert werden. Unter dem Titel „Politische Bilder/ Sowjetische Fotografien 1918-1941 – Die Sammlung Daniela Mrázkowá“ werden sie dort vom 23. Oktober 2009 bis 31. Januar 2010 in einer Sonderausstellung gezeigt.

Presse-/Fototermin: 22. Oktober 2009, 11 Uhr, Museum Ludwig, Fotografische Sammlung, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln