Erwerbungsförderung

Christgeburt für Kleve

Das Museum Kurhaus Kleve erwirbt eine Ikone niederrheinischer Bildschnitzkunst des späten 15. Jahrhunderts: die „Anbetung des Kindes“ von Dries Holthuys. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Bitter kalt ist die Heilige Nacht in Bethlehem: Joseph schützt sich mit dicken Fäust­lingen vor der Kälte, das Christkind aber liegt nackt am Boden auf dem Mantel Mariens. Die Darstellung folgt einer Vision der Hl. Birgitta von Schweden (1303–1373), in der sie Maria am Boden kniend mit gefalteten Händen in Anbetung ihres Kindes versunken sah – weit verbreitet im späten Mittelalter findet sich dieser Darstel­lungstypus im nordalpinen Raum. Seine geschnitzte Weihnachtsszene er­weitert Dries Holthuys aber noch um ein selteneres Motiv: Ein Engel müht sich, das schadhafte Dach des strohgedeckten, zugigen Stalls auszubessern. Seine Flügel haben die Jahrhunderte nicht überdauert, dennoch erstaunt noch heute die fein­teilige Bearbeitung des himmlischen Wesens in den Gesichtszügen, seinem Gewand und dem gelockten Haar. Auch Ochs und Esel hat Holthuys sorgfältig, anekdotisch und mit Liebe zum Detail ausgeführt – wie die Heilige Familie selbst. Verblüffend zeigt sich die Raumorganisation: eine dichte Verbindung von Innen und Außen, von Stall und Landschaft und der Stadtmauer Bethlehems, in der man auch eine niederrheinisch anmutende Giebelarchitektur entdecken kann. Die in Eichenholz geschnittene Christgeburt stellt wohl eins der schönsten und ungewöhnlichsten Werke des Künstlers dar – und sie kann zugleich als ein Höhepunkt niederrhei­nischer Skulptur der Reformationszeit gelten. Nun konnte die um 1490/95 ge­schaffene „Anbetung des Kindes“ mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Karl und Maria Kisters-Stiftung Kleve und des Freundeskreises Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve – dank einer Stifterfamilie – aus Antwerpe­ner Privatbesitz vom Museum Kurhaus Kleve angekauft werden.

Das Hochrelief mit den Maßen H 37 x B 45 x T 16,8 cm, das eindrucksvoll Holthuys’ virtuose Schnitzkunst demonstriert, fügt sich hervorragend in die Sammlung des Museums Kurhaus Kleve ein: Denn dort finden sich bereits ein bedeutendes Ensemble niederrheinischer Skulptur des spä­ten Mittelalters sowie mehrere Hauptwerke von Holthuys, da­runter die Anna-Selbdritt-Gruppe, der Heilige Michael und eine Gruppe von drei weiblichen Heiligen. Des Künstlers komplexe Darstellung der Weihnachtsgeschich­te, des wohl schönsten Themas der christlichen Kunst, war vermutlich die zentrale Darstellung eines kleinen, privaten Altarschreins. Die genauen Lebensdaten des Künstlers, der zu den bedeutendsten Bildhauern der Spätgotik am Niederrhein zählt, liegen im Dunkeln. Um 1500 war Dries Holthuys nachweislich in Kleve tätig. Da Werke von ähnlicher Qualität auf dem Kunstmarkt äußerst rar sind, ist es ein besonderer Glücksfall, dass dieses heraus­ragende Beispiel mittel­alterlicher Skulptur jetzt im Museum Kurhaus Kleve für die Öffentlichkeit bewahrt werden konnte.

Presse-/Fototermin: Freitag, 30. September 2011 um 12 Uhr, Museum Kurhaus Kleve, Tiergartenstraße 41, 47533 Kleve

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