Erwerbungsförderung

Späte Früchte

Das Historische Museum Hanau in Schloss Philippsruhe erwirbt Isaak Soreaus Stillleben „Früchtekörbe, Früchteschale, Porzellankumme, Blumenvase mit Nelken und Gemüse“ von 1645. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Krieg und Religionswirren hatten den berühmten Maler Daniel Soreau aus Flan­dern nach Frankfurt und dann weiter in das nahegelegene Hanau getrieben, wo ihm 1604 Zwillingssöhne geboren wurden: Peter und Isaak. Der Vater sollte nicht nur zu den Hanauer Neustadtgründern zählen, sondern begründete auch eine künstle­rische Schule, die weit über die Stadtgrenzen hinauswirkte und gleichsam zum Ur­sprung einer eigenständigen deutschen Stilllebenmalerei des 17. Jahr­hunderts wur­de. Der große Sebastian Stoskopff aus Straßburg war sein Schüler, ebenso wie die eigenen Söhne: Beide wurden unter seiner Ägide zu selbstständigen Malern, doch vor allem von Isaak Soreau (1604 – nach 1645) hat kaum ein gesichertes Werk die Jahrhunderte überstan­den. Nun aber gelang die Identifizierung eines seiner Ge­mäl­de von 1645 in deut­schem Privatbesitz. Das signierte und datierte Stillleben Isaak Soreaus gilt als sein letztes gesichertes Werk. Es ist nun nach Hanau zurück­gekehrt – in das Museum der Stadt im Schloss Philippsruhe; die Kulturstiftung der Länder, die Hessische Kulturstiftung, die Stiftung der Sparkassen Hanau, der Zonta Club Hanau, Gerlind Fischer-Defoy, Hanau, und die Stadt Hanau unterstützten den Ankauf.

Ein Stillleben des Bruders Peter Soreau von 1627, „Stillleben mit Obst, Gemüse, Nüssen und einem Nelkenstrauß“, befindet sich bereits seit einigen Jahren im Hanauer Museum. Das späte, jetzt angekaufte Stillleben von Isaak Soreau entwirft auf einem reich gedeckten Holztisch ein großes Panorama verschiedener Früchte und Gemüse in dichter Komposition und kräftigen Farben – Einflüsse der Bildgestal­tung seines Bruders Peter und des späten Georg Flegel sind unverkenn­bar: Neben Birnen und Feigen finden sich Pfirsiche, Nelken in der Vase, Pflaumen und Brombeeren; Haselnüsse, Kirschen, eine Gurke, rote Johannisbeeren, Erbsenschoten und ein dicker Kohlkopf verteilen sich lose über die Tischplatte.

Spiegelt sich in der Fülle der Früchte und Blumen symbolisch das Leben mit seiner Vergänglichkeit, zeigt die üppige Pracht des Gemäldes gleichzeitig auch den Reich­tum der Besitzer des Bildes, das wahrscheinlich als Auftragswerk in Frankfurt, wohin die Brüder Soreau bald nach dem Tod des Vaters gegangen waren, entstand.

Das Stillleben Isaak Soreaus ist die bedeutendste Erwerbung des Hanauer Museums in den letzten Jahren: Hiermit kann jetzt ein Schlüsselwerk Soreaus und zugleich der Still­lebenmalerei des 17. Jahrhunderts auf Schloss Philippsruhe präsentiert werden.

Isaak Soreau, Früchtekörbe, Früchteschale, Porzellankumme, Blumenvase mit Nelken und Gemüse, 1645
© Historisches Museum Hanau – Schloss Philippsruhe / Philippa Pfahler, Frankfurt

Isaak Soreau, Früchtekörbe, Früchteschale, Porzellankumme, Blumenvase mit Nelken und Gemüse, 1645 © Historisches Museum Hanau – Schloss Philippsruhe / Philippa Pfahler, Frankfurt

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