Erwerbungsförderung

Zur Rechten Gleims

Das Gleimhaus in Halberstadt erwirbt ein Bildnis Johann Georg Jacobis, um 1775, für seine Porträtgalerie deutscher Dichter und Denker der Aufklärung. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Sie prägten eine neue „zärtliche“ Sprache der Männerfreundschaft: Die Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) und Johann Georg Jacobi (1740-1814) beschworen im poetischen Manifest einer em­pfind­samen Geistesverwandtschaft den Freundschaftskult der Aufklärung; ver­öffentlicht wurde das briefliche Rollenspiel 1768 in den „Briefen der Herren Gleim und Jacobi“. Auch im Leben in inniger Zuneigung verbunden, ließ Gleim sein „Jacobitchen“ für seine – Freunschafts­tempel genannte – Galerie porträtieren. Das seit dem Zweiten Weltkrieg verschollene Bildnis des Freundes von Benjamin Calau hinterließ eine schmerzliche Lücke in der Porträtgalerie des Halberstädter Gleimhauses. Mit dem Erwerb eines Bildnisses von Johann Georg Jacobi aus Berliner Privatbesitz kehrt nun der verlorene Freund in die Bildergalerie der Dichter und Denker des 18. Jahrhunderts zurück.

Das – mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Sachsen-An­halt und zahlreicher privater Förderer – erworbene Gemälde bannt den Esprit des Modells auf Leinwand. Ein unbekannter Künstler, aber zweifellos exzellenter Por­trätist schuf das 53,5 x 42,5 messende Bild, das durch eine jugendlich-lässige Hei­terkeit besticht und in seiner Farbigkeit an Pastellmalerei erinnert. In der lebendi­gen Manier der Ölmalerei ist – im ungewöhnlich informellen Porträt – die genialische Lockerheit sowie das empfindsame und geistsprühende Wesen Jacobis ins Bild gesetzt. Sein Blick aus braunen Augen schweift am Betrachter vorbei, schwarze Schleifen im gelockten Haar flattern im Wind, das mit feinen Spitzen besetzte Hemd unter dem grünen Rock ist nachlässig geöffnet: Das Gemälde spiegelt das lebhafte, aller Förmlichkeit abholde Tempera­ment von Gleims engem Vertrauten.

Das Gleimhaus – das seit 1862 den Nachlass im ehemaligen Wohnhaus des Dich­ters, Sammlers und Literatur­aktionisten beherbergt – ergänzt mit dem Gemälde seine einzigartige Porträtsammlung großer Geister der Aufklärung um einen der wichtigsten Protagonisten. Am Ehrenplatz neben dem Bildnis des einstigen Haus­herren vermittelt das Konterfei Jacobis, der auf Bestreben Gleims nach Halberstadt zog, auch museal die innige Verbindung der Dichterfreunde. Die Wissenschaftler des Literaturmuseums sind bereits intensiv beschäftigt, die Identität des noch unbe­kannten Malertalents zu enträtseln.

Kontaktdaten

Johannes Fellmann
Pressereferent
Tel +49 (0)30/89 36 35 29
jf@kulturstiftung.de

Kulturstiftung der Länder
Stiftung bürgerlichen Rechts
Lützowplatz 9
10785 Berlin
Tel +49 (0) 30 / 89 36 35 0
Fax +49 (0) 30 / 891 42 51

Pressetermin: Donnerstag, den 18. September 2014, 11 Uhr, Das Gleimhaus, Domplatz 31, 38820 Halberstadt; Kontakt: Dr. Reimar Lacher, Telefon: 03941-687132, E-Mail: gleimhaus.lacher(at)halberstadt.de

Pressebilder

Unbekannter Maler, Porträt Johann Georg Jacobi, um 1775, 53,5 x 42,5 cm; Gleimhaus, Halberstadt
© Gleimhaus Halberstadt / Foto: Ulrich Schrader

Unbekannter Maler, Porträt Johann Georg Jacobi, um 1775, 53,5 x 42,5 cm; Gleimhaus, Halberstadt © Gleimhaus Halberstadt / Foto: Ulrich Schrader

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