Liebermanns lange Leihgabe

Das Angermuseum Erfurt erwirbt Max Liebermanns Gemälde „Bildnis der Schwestern Hertha und Hilde Böhm“ von 1917. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Max Liebermann selbst hatte das Bildnis der zwei Schwestern dem Erfurter Anger­museum, das als Städtisches Museum 1886 auf Initiative der Bürgerschaft gegrün­det worden war, im Jahr 1920 als Leihgabe überlassen. Zu diesem Zeitpunkt fand im Angermuseum ein Direktorenwechsel statt: Auf Edwin Redslob folgte Walter Kaesbach. Vermutlich hatte noch Redslob die Leihgabe angeregt, zu einem Ankauf war es dann aber vor seinem Fortgang nicht mehr gekommen. Glück­licherweise fiel die schöne Studie nicht der Beschlagnahmungsaktion 1937 zum Opfer, in deren Verlauf das Angermuseum über 800 Werke moderner Kunst verloren hat. Im Jahr 2008 wünschten die beiden Urenkelinnen des Malers den gültigen Leihvertrag – es handelte sich hier nicht um einen Restitutionsfall – zu beenden. Für das Anger­museum in Erfurt stellt der jetzt gelungene Ankauf einen besonderen Glücksfall dar, denn das Bildnis – ein zentrales Werk der Erfurter Gemälde­sammlung – konnte aufgrund guter Kontakte der Museumsleitung zu den sehr entgegen­kommenden Nachfahren Liebermanns für Erfurt mit Unterstützung der Kultur­stiftung der Länder und des Fördervereins Freunde des Anger­museums e. V. erworben werden.

Das Bild der Schwestern Hertha und Hilde Böhm ist ein seltenes Beispiel im Werk Liebermanns: Das Porträtieren von Kindern – solange es nicht die eigenen waren – lag dem Maler nicht besonders. Schon den Porträtaufträgen der Erwachse­nen kam der gefragte Künstler um 1920 kaum noch nach; wahrscheinlich war es vor allem ein Freundschaftsdienst gegenüber dem Fabrikanten Max Böhm, der ein großer Liebermann-Sammler war, dass sich der Meister nun die Mädchen zum Modell nahm. Dem fertigen Ergebnis, heute in Privatbesitz, ging die Erfurter Studie in Öl voran, die von besonderem Reiz für Kenner ist: Mit leichter Hand sind die Farben verteilt, die typischen Erdtöne angelegt, Gesichter und Haltungen skizziert. So sitzen die beiden da, ein wenig unsicher, befangen, fast schamhaft.

Zwei Jahrzehnte später, nach dem Tod des Malers, der Zeit des „Dritten Reichs“ und des Zweiten Weltkriegs, senkte sich der Schleier des Vergessens über die Tat­sache, dass das Gemäl­de nur geliehen war. Dank der beiden Urenkelinnen von Lieber­mann bleiben die Schwestern Böhm am angestammten Ort in Erfurt. Als recht­mäßige Erbinnen stimmten die Nachfahren Liebermanns dem Ankauf durch das Museum zu.

Max Liebermann (1847–1935), einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus, war Gründungspräsident der Berliner Secession seit 1898 und später langjähriger Präsident der Preußischen Akademie der Künste.

Pressebilder

Max Liebermann, „Bildnis der Schwestern Hertha und Hilde Böhm“ von 1917

Max Liebermann, „Bildnis der Schwestern Hertha und Hilde Böhm“ von 1917

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