Erwerbungsförderung

Burgk bleibt Schloss

Dem Saale-Orla-Kreis gelingt nach der Restitution der umfangreichen Schlossausstattung an die Erben der enteigneten Fürsten eine Einigung: Der überwiegende Teil der wertvollen, seit dem Mittelalter gewachsenen Innenausstattung von Schloß Burgk an der Saale bleibt für die Präsentation erhalten. Die Kulturstiftung der Länder unterstützt den Ankauf.

Einige Jahre bangten nicht nur die Mitarbeiter des Schlossmuseums um Kunst, die kostbare Ausstattung, Rüstungen, Waffen, Bücher und Archivalien: Bleibt vom Kleinod am Ufer der Oberen Saale aus dem 15. Jahrhundert nur noch die leere Hülle übrig? Diese Schicksalsfrage, die lange über Schloß Burgk, der ältesten und größten Schlossanlage des Thüringer Oberlandes schwebte, ist beantwortet: Dem Saale-Orla-Kreis gelang nach intensiven Verhandlungen unter Begleitung der Kulturstiftung der Länder, bedeutende Teile der zuvor an die Erben der enteigneten Fürsten rückübertragenen Objekte der reichen Innenausstattung  in Schloß Burgk für die Öffentlichkeit zu erhalten. Die Einigung wurde auf Grundlage des sogenannten Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetzes möglich, das die Rückgabe von in der sowjetischen Besatzungszone enteignetem mobilen Vermögen regelt und die Erwerbung durch die öffentliche Hand ermöglicht. Die Kulturstiftung der Länder und der Freistaat Thüringen unterstützen den Ankauf der Konvolute.

Für die Darstellung der fürstlichen Repräsentations- und Alltagskultur wichtige Objektgruppen werden in Burgk verbleiben, dazu gehören Gemälde, kunsthandwerkliche Objekte, Archivalien und Bücher. Eine besonders umfangreiche Gruppe bilden die Militaria, d. h. Rüstungen, Rüstungsteile und Waffen des 17. bis 19. Jahrhunderts. Um den Charakter von Burgk als Schlossmuseum zu erhalten, war besonders die Bewahrung der Kapellenaus­stattung mit der Silbermann-Orgel und der historischen Raumausstattungen mit u. a. kostbaren Wandbespannungen wünschenswert. Insgesamt waren 1.528 Objekte Gegenstand der Verhandlungen. Nach der nun erzielten gütlichen Einigung erhalten die Erben 712 Objekte zurück, 816 Ausstellungs- und Depotobjekte sollen in Schloß Burgk verbleiben, wovon drei Objekte als Leihgabe für zehn Jahre vorgesehen sind. Von der Einigung ausgenommen ist bisher noch die Gruppe der Möbel sowie Leihgaben bei Dritten, dort besteht weiterer Recherchebedarf – über beide Gruppen soll in einem Nachtrag zu dem zwischen dem Saale-Orla-Kreis und den Erben geschlossenen Vertrag entschieden werden.

1/5

Schloß Burgk befindet sich seit 1596 im Besitz des Hauses Reuß ältere Linie. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs von der Familie und ihren Nachkommen bewohnt, diente die über 400 Jahre nahezu unveränderte Anlage seit der Zentralisierung der Reuß’schen Herrschaft in Greiz nach dem Tod Heinrichs II. Reuß im Jahre 1697 als Sommer- und Jagdschloss. Eine künstlerische Blüte erlebte Schloß Burgk ab 1733 in der Regentschaft Heinrichs III. Reuß-Untergreiz (1701–1768). Zahlreiche Räume wurden neu eingerichtet oder umgestaltet: Besonders wertvoll präsentieren sich die bis heute gut erhaltenen, mit mythologischen Motiven bemalten Wandbespannungen des sog. Kleinen Saals. Auf Leinen mit Ölfarben gemalt, imitiert eine wandfüllende Tapete im Pirckheimer-Kabinett kostbare Gobelins: Mit Genreszenen in weiter Landschaft versehen, schmückte sie vor ihrer mehrfachen Umsetzung einst das Kaiserin-Zimmer. Die szenisch-figürliche Tapete öffnet illusionistisch den Raum; vergleichbare, vollständige Ensembles sind nur noch selten in ursprünglicher Umgebung anzutreffen. Der umlaufende Gobelin des Chinasalons in der Beletage, ein Meisterwerk der Berliner Manufaktur Charles Vigne, zaubert eine exotisch anmutende Phantasielandschaft mit Blüten, Früchten, Palmen, Pagode und Gebäuden fernöstlichen Stils in die repräsentativen Räume des Thüringer Schlosses. Für die Schlosskapelle schuf der bedeutendste mitteldeutsche Orgelbaumeister der Barockzeit Gottfried Silbermann bis 1742 eine noch heute spielbare, wertvolle Orgel, die sich nahezu im ursprünglichen Zustand befindet; sie gilt als ein Kulturdenkmal ersten Ranges.

Die Auswahl der Objekte repräsentiert Geschichte und Funktion des Schlosses, illustriert aber auch die große familien- und landesgeschichtliche Bedeutung von Schloß Burgk mit seinem hierfür unverzichtbaren Inventar. Damit lässt sich auf Schloß Burgk auch weiterhin der authentische Eindruck einer über die Jahrhunderte gewachsenen reichen historischen Innenausstattung einer Schlossanlage erleben.