Erwerbungsförderung

Biblisches Universum

Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster erwirbt für ihr Bibelmuseum die größte private Bibelsammlung Deutschlands – die Sammlung Remy. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Griechischer Psalter, Straßburg 1524, gedruckt bei W. Köpfel; Foto: Peter Grewer
Griechischer Psalter, Straßburg 1524, gedruckt bei W. Köpfel; Foto: Peter Grewer

Die größte private Bibelsammlung, die „Sammlung Remy“, mit rund 650 lateinischen, griechischen, syrischen, hebräischen und polyglotten Bibeln des 15. bis 18. Jahrhunderts gelangt jetzt ins Bibelmuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster. Der Rechtsanwalt und langjährige Antiquar Walter Remy aus Betzdorf/Sieg hat über Jahrzehnte mit großem Sachverstand eine außergewöhnliche Spezialsammlung zusammengetragen, die mit den Beständen der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart und der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel vergleichbar ist. Auch 23 besonders wertvolle Inkunabeln aus der Anfangszeit des Buchdrucks von 1475 bis 1497 sind Teil des jetzt mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kunststiftung NRW sowie mit Mitteln des WWU-Exzellenzclusters „Religion und Politik“ erworbenen Konvoluts. Die bedeutendsten Drucke können in Zukunft im Bibelmuseum gezeigt werden; die auf ideale Weise ergänzten Bestände machen die Universität Münster nun zu einer zentralen Anlaufstelle mit besten Bedingungen für theologische, historische und kunsthistorische Forschungen im Bereich der griechischen und lateinischen Bibeln.

Von den Anfängen des Buchdrucks um 1500 bis in die Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert lässt sich in der Sammlung Remy mit ihrer Konzentration auf die biblischen Sprachen Hebräisch und Griechisch sowie mit der westeuropäischen lateinischen Tradition und den Polyglotten – mehrsprachigen Parallelausgaben der Frühneuzeit – der gelehrte Umgang mit der Bibel in diesen Jahrhunderten umfassend nachvollziehen. Diese besondere Zusammenstellung macht ihren großen Reiz für zukünftige wissenschaftliche Forschungen aus.

22 berühmte Wiegendrucke – lateinische Bibelinkunabeln – sowie lateinische Bibeldrucke des 16. bis 18. Jahrhunderts (u. a. einer Ausgabe von Jan Henten und drei Drucke der seltenen überarbeiteten Vulgata Sixto-Clementina) sowie die berühmte Londoner Polyglotte von Brian Walton von 1655-1658 sind in der einzigartigen Sammlung zu finden. Weiterhin griechische Bibeln des 16. Jahrhunderts (u. a. die Erstausgabe des Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam und die Erstausgabe einer Vollbibel bei Aldus Manutius von 1518) sowie hebräische und syrische Bibeln.