Erwerbungsförderung

Bayrisches Martyrium

Das Stadtmuseum Weilheim erwirbt vier lange verschollen geglaubte Tafelbilder vom Altar der Agathakapelle von 1523 des Malers Jörg Greimolt. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Zufällig im Wiener Kunsthandel entdeckt, kehren die kostbaren Altargemälde des Malers Jörg Greimolt jetzt glücklich an ihren Entstehungsort zurück: Dr. Christof Metzger von der Wiener Albertina hatte die Bilder als die verschollen geglaubten Tafeln identifiziert. Der Weilheimer Greimolt hatte die vier Gemälde mit seltenen Szenen aus dem Leben der heiligen Agatha 1523 für den Altar der Agatha-Kapelle in seiner Heimatstadt gefertigt; ihre letzte Erwähnung erfuhren die Bilder 1857, als sie verkauft wurden und Weilheim verließen. Das Weilheimer Stadtmuseum kann nun den sensationellen Ankauf der Bilder vermelden: Im Museum gesellen sich die Tafeln zu einem Relief, das mit großer Wahrscheinlichkeit Mittelschrein des Altars war. Zwei weitere Werke Greimolts befinden sich ebenfalls in der Sammlung. Eine breite Finanzierungskoalition der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, der Jubiläumsstiftung der Vereinigten Sparkassen und der Winfried und Centa Böhm-Stiftung machte die Rückkehr des Agathenaltars nach Weilheim jetzt möglich.

Jörg Greimolt, Martyrium der Hl. Agatha von Catania: Verbrennung, 1523, 109 x 57 cm, Stadtmuseum Weilheim
Jörg Greimolt, Martyrium der Hl. Agatha von Catania: Verbrennung, 1523, 109 x 57 cm, Stadtmuseum Weilheim

Das Martyrium der Agatha – einer gottgeweihten Jungfrau, die sich dem Werben des sizilianischen Statthalters Quintianus widersetzt und dafür gefoltert wird – schildert Greimolt mit Detailfreudigkeit. Szenen der Grausamkeit mit dem entblößten Körper der Agatha wechseln mit der Darstellung der kurzfristigen Errettung der Heiligen: So erscheint der Apostel Petrus von Engeln begleitet im Kerker und heilt Agatha von ihren Verletzungen. Der Künstler verlegte die Geschichte von Catania auf Sizilien allerdings in eine nördliche Alpenlandschaft. Für damalige Verhältnisse hochmodern, bezog sich Greimolt auf aktuelle künstlerische Vorbilder: Der prächtige Renaissance-Arkadenhof erinnert an einen Tempelgang Mariens des Augsburger Radierers Daniel Hopfer, beim Palast des heidnischen Quintianus greift Greimolt ins Motivrepertoire der Renaissance – kurzerhand schmückt er ihn mit Gestalten der humanistischen Antikenrezeption aus. Die Putten im Begräbnis der Heiligen finden ihre Vorbilder in einem Holzschnitt Lucas Cranachs d. Ä. Jörg Greimolt präsentierte sich damit als informierter Zeitgenosse, der stark von der Blüte der Renaissance-Kunst beispielsweise im nicht weit entfernten Augsburg beeinflusst war.

Über den Künstler Greimolt selbst ist wenig Biographisches bekannt: Gesichert ist, dass er in Weilheim gelebt und gewirkt hat, 1524 erwirbt er dort das Bürgerrecht. Die Flügel des Agathenaltars, sein Schlüsselwerk, sind nun glücklich wieder zurück in seiner Heimatstadt.