Erwerbungsförderung

Bach in Bestform

Das Bach-Archiv Leipzig präsentiert ein frisch restauriertes, rares Bach-Porträt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

In leichter Drehung des Kopfes den Betrachter doch exakt in den Blick nehmend, tanzt eine Spur Belustigung in seinen Augen: Auf einem schmalen Grad zwischen verschmitzter Gelassenheit und tiefer Konzentration verewigte 1746 Elias Gottlob Haussmann (1695–1774) das Konterfei Johann Sebastian Bachs (1685–1750). Das originale Bildnis – das einzig gesicherte Zeugnis von Bachs Äußerem – ist heute jedoch durch Retuschen aus dem 19. Jahrhundert maßgeblich entstellt. Die jetzt vom Leipziger Bach-Archiv präsentierte Neuerwerbung – eine Kopie von Haussmanns Porträt vermutlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts – offenbart hingegen das getreue Antlitz des Komponisten.

Anonym: Johann Sebastian Bach nach Elias Gottlob Haussmann, vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts, 81,3 x 64,5 cm; © Sammlung Bach-Archiv Leipzig/Foto: Sybille Reschke

Anonym: Johann Sebastian Bach nach Elias Gottlob Haussmann, vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts, 81,3 x 64,5 cm; © Sammlung Bach-Archiv Leipzig/Foto: Sybille Reschke

Die Mitarbeiter des Bach-Archivs waren elektrisiert, als im fernen Philadelphia 2012 die kostbare historische Kopie versteigert werden sollte. Nur wenige Tage standen ihnen zur Verfügung, das nötige Geld für ein belastbares Gebot aufzubringen. Mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien glückte es, das Porträt für das Bach-Archiv auf der amerikanischen Auktion zu sichern. In Leipzig trifft das ersteigerte Bild auf seinen Zwilling – Haussmanns Original befindet sich bereits seit langem im Leipziger Stadtgeschichtlichen Museum. Vielfach restauriert und übermalt, ist dieses in einem ruinösen Zustand: Gutgemeinte Restaurierungsmaßnahmen verschleiern den einst klaren Blick des Komponisten. Die vom Leipziger Bach-Archiv erworbene Kopie ist dagegen reich an Nuancen und physiognomischen Details, die das Original eingebüßt hat. Im äußeren Zustand gleicht somit das Verhältnis der Bilder eher dem entfernt verwandter Vettern. Die Version aus der amerikanischen Privatsammlung – dessen Künstler, Auftraggeber und Entstehungsjahr noch im Dunkeln liegen – kehrte gut erhalten nach Leipzig zurück, wo es sich bis in die 1950er Jahre in der Privatsammlung von Wilhelmine Burkhardt befunden hatte.  Im Bach-Archiv gibt das Gemälde zukünftig ein verlässlicheres Zeugnis von Bachs Aussehen, zudem wurde dort unlängst eine grundlegende Restaurierung des Bildes vorgenommen, die umso mehr die im Original verlorenen Züge des berühmten Komponisten detailreich sichtbar macht.

Frisch restauriert verfügt das Bach-Archiv mit der Kopie nun über einen Bach in Bestform. Die Leipziger Institution ist das Forschungszentrum zu Bach schlechthin und untersucht das Leben und Werk des Barockmusikers sowie der Bach-Familie in ihrer vielfältigen Wirkungsgeschichte. In einem in Kürze anlaufenden Forschungsprojekt zu den Bach-Bildnissen wird das Archiv eine Reihe von Porträts des Komponisten untersuchen. Dabei wollen die Wissenschaftler auch den Rätseln des Bach-Bildnisses auf die Spur kommen und das genaue Verwandtschaftsverhältnis zwischen Kopie und Original klären.