Erwerbungsförderung

Anhaltischer Rätselbecher

Die Stadt Dessau-Roßlau erwirbt für das Museum für Stadtgeschichte einen wertvollen vergoldeten Deckelbecher aus Silber des Dessauer Meister ICG, um 1700. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Kugelfußbecher des Dessauer Meisters ICG, um 1700
Kugelfußbecher des Dessauer Meisters ICG, um 1700

Das Museum für Stadtgeschichte in Dessau kann sich über einen wertvollen Neuzugang freuen: Aus dem Kunsthandel gelang der Ankauf eines vergoldeten Deckelbechers aus Silber vom Ende des 17. Jahrhunderts – das 22 cm hohe, über ein Kilo schwere Gefäß aus der ehemaligen fürstlichen Silberkammer des Hauses Anhalt wird im Dessauer Museum zum Glanzstück der Ausstellung im restaurierten Johannbau des ehemaligen Stadtschlosses; dort wird das seltene Objekt eindrucksvoll die traditionsreiche Geschichte des Gold- und Silberhandwerks in Dessau lebendig machen. Der Ankauf gelang jetzt mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Sachsen-Anhalt, der Ernst von Siemens Kunststiftung und dank privater Förderer.

Ein Stier verendet in den Pranken eines Panthers, ein Hirsch windet sich im Griff eines Leoparden, und ein Eber hat ein tödliches Rendezvous mit einem Löwen. Das jetzt nach Dessau zurückgekehrte schwere Deckelgefäß ist barocker Prunkbecher und Rätselbecher zugleich: Auf drei Granatapfelfüßen thront der doppelwandige, reich vergoldete, aufwendig dekorierte Kugelfußbecher des Dessauer Meisters ICG. Um 1700 entstanden, zeigt er die Lieblingsbeschäftigung des Adels, die Tierhatz. Allerdings ließ das auch in Jagdszenen beliebte Wappentier – der Löwe – die Forscher stutzig werden, ist die Heraldik des Hauses Anhalt doch völlig löwenfrei. War der Becher vielleicht ein Präsent des „Alten Dessauers“ Fürst Leopold I. an einen anderen Fürsten, der den Löwen im Wappen trug? Und ist das der Grund, weshalb das wertvolle Meisterwerk erhalten blieb? Denn der Großteil der Dessauer Gold- und Silberschmiedekunst ist verloren oder verschollen: Konnte sich Anhalt im Siebenjährigen Krieg zwar neutral halten, musste es anschließend doch an Preußen immense Kontributionen zahlen;  als „Feind“ behandelt, sah sich Fürst Franz etwa 100 Jahre nach Entstehung des Deckelbechers gezwungen, das kostbare Familiensilber zu barer Münze zu machen.

Als eines der wenigen erhaltenen Stücke der barocken Dessauer Gold- und Silberschmiedekunst glänzt das Meisterwerk auf Vermittlung der Galerie Neuse nun im Museum für Stadtgeschichte in Dessau und beweist die hohe Kunst der Dessauer Silberschmiede.