PATRIMONIA NR. 251 (2014)

Anbetung der Heiligen Drei Könige

Die Wissenschaftler des Bonner LVR-LandesMuseums waren im Jahr 2004 elektrisiert, als sie nach aufwändigen Recherchen im fernen Brasilien eine kostbare Eichenholztafel mit der „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ aus dem Umkreis des Meisters des Bartholomäus-Altars entdeckten. Das spätgotische Schmuckstück – zu dieser Zeit an erster Stelle auf der Liste national wertvoller Kulturgüter in Nordrhein-Westfalen –  krönt seitdem mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder die Sammlung mittelalterlicher Malerei des Museums. Das um 1487 entstandene Gemälde zeigt die drei Weisen aus dem Morgenland bei der Anbetung des neugeborenen Heilands auf dem Schoß der Gottesmutter Maria – ein Bildsujet, das sich im rheinischen Raum aufgrund des Kölner Dreikönigenschreins mit den Reliquien der Heiligen Könige besonderer Beliebtheit erfreute. Das wohl als intimes, privates Andachtsbild entstandene Gemälde besticht durch seine souveräne und akribische Schilderung der Figuren und Gewänder: Kleinteilige Schmuckdetails wie Gewandborten, Brokatmuster und eine feine Ornamentik sowie das delikat abgestimmte Kolorit der Tafel lassen die Präzision eines Miniaturmalers erkennen. Wer der mysteriöse Urheber des mittelalterlichen Kleinods war, gibt der Forschung nach wie vor Rätsel auf. Vermutlich arbeitete er in der Werkstatt des sogenannten Meisters des Bartholomäus-Altars – einem Kölner Maler des 15. Jahrhunderts, dessen Leben und Wirken weder Urkunden, Kaufverzeichnisse, Kirchenbücher noch sonstige Aufzeichnungen dokumentieren. Der Patrimonia-Band vereint die neuesten Erkenntnisse aus der kunsthistorischen sowie kunsttechnologischen Analyse des nach wie vor geheimnisumwobenen Zeugnisses spätmittelalterlicher Frömmigkeit.

Anschrift der geförderten Einrichtung:

LVR-Landesmuseum Bonn
Colmantstraße 14–16, 53116 Bonn