Erwerbungsförderung

Am Anfang war ein Gips

Die Plastik „Adam und Eva“ von Max Beckmann von 1936 geht dauerhaft in die Sammlung der Hamburger Kunsthalle über. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Ehe Adam zum Schrei ansetzen kann, hat das Tier ihn fest im Griff. Von Adams Füßen aufwärts, um seinen Oberkörper herum windet sich schon die Schlange der Versuchung, ihr Kopf ragt bereits knapp über seine Schulter. In Adams Handfläche kauert unterdessen Eva und presst sich – vom Blick der Schlange noch unentdeckt – an seinen Oberkörper. Evas geringe Größe und Position verraten, dass sie unlängst aus Adams Rippe geschaffen wurde. Doch die Anwesenheit der Schlange besiegelt bereits das Schicksal von Adam und Eva, die Vertreibung aus dem Paradies steht kurz bevor. Max Beckmann hat hier zwei biblische Erzählungen zu einem dramatischen Moment zugespitzt: Schöpfungsgeschichte und Sündenfall bündeln sich zu einer ausdrucksstarken Plastik, die ein klassisches Motiv der Kunstgeschichte völlig neu interpretiert.

Max Beckmann, Adam und Eva, 1936, 87 × 35,5 × 40 cm; Hamburger Kunsthalle
Max Beckmann, Adam und Eva, 1936, 87 × 35,5 × 40 cm; Hamburger Kunsthalle

Nicht nur thematisch geht die 87 cm hohe Figur von 1936 zu den Ursprüngen zurück: Aus Gips verkörpert „Adam und Eva“ den Originalentwurf, die Urfassung der Materialvarianten. Nach diesem Vorbild formte der Künstler im selben Jahr eine Terrakottafigur, darüber hinaus wurden posthum fünf Bronzen gegossen. Glücklicherweise fiel die Gipsvorlage nicht – wie sonst im Anschluss üblich – der Zerstörung zum Opfer. Stattdessen schmückt sie seit 1992 als Dauerleihgabe den ständig eingerichteten Beckmann-Saal der Hamburger Kunsthalle. Hier veranschaulicht das Ensemble von zehn Gemälden und zwei bildhauerischen Arbeiten die Komplexität von Beckmanns künstlerischem Schaffen. Hatte der 1884 geborene Künstler mit seiner modernen Malerei bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Erfolge gefeiert, wurde nach der Machtergreifung 1933 seine Kunst als „entartet“ verfemt. Nach dem damit verbundenen Verlust seiner Professur an der Frankfurter Städelschule ging Beckmann nach Berlin und wendete sich dort erstmals der Bildhauerei zu. Fünf Plastiken schuf er während dieser Zeit, bevor ihn die Diffamierung des Naziregimes im Jahre 1937 endgültig aus Deutschland vertrieb. Zunächst im Amsterdamer Exil, siedelte Beckmann 1947 gemeinsam mit seiner Frau in die USA über. Dort entwarf er drei weitere Plastiken in seinem letzten Lebensjahr, 1950. Als größte und einzige mehrfigurige Plastik ragt „Adam und Eva“ aus seinen bildhauerischen Werken jedoch heraus.

Als eine der seltenen Skulpturen Beckmanns ist der Originalgips von „Adam und Eva“ ein unverzichtbares Element im Beckmann-Bestand der Hamburger Kunsthalle. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen, der Hermann Reemtsma Stiftung sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung kann durch den Erwerb dieses außerordentlichen Unikats das Ensemble bewahrt werden.