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Informationen zur Stiftung

Förderung, Erhalt und Vermittlung des kulturellen Erbes in Deutschland und die Erwerbung von bedeutenden Kunstwerken und Kulturgütern – dieser Auftrag steht seit 29 Jahren im Mittelpunkt der Arbeit der Kulturstiftung der Länder, die 1988 in Berlin ihre Arbeit aufnahm.

In letzter Sekunde Kafkas Briefe an seine Lieblingsschwester Ottla vor der Zerteilung in alle Welt retten, jahrelange Restitutionsverhandlungen mit fürstlichen Familien koordinieren, um ganze Ausstellungsräume von Schlossmuseen zu erhalten, breite Finanzierungskoalitionen schmieden, um die legendären Amerikanischen Tagebücher Alexander von Humboldts zu erwerben, oder auf Auktionen Welfen-Pokale aus der Kunstkollektion Yves Saint Laurents ersteigern: Pflicht und Kür zugleich der Arbeit der Kulturstiftung der Länder, deren versierte Spezialisten auch bei komplexen Kunst- und Kulturgutankäufen für öffentliche Sammlungen einen langen Atem beweisen und mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl auch heikle Fälle über viele Jahre beratend begleiten. Als sogenannte Einkaufsgemeinschaft der Länder für große Kunstankäufe 1987 gegründet, widmet sich die Stiftung seit ihrer Arbeitsaufnahme 1988 vielen weiteren Aufgaben in ihrem Kosmos aus Bewahrung, Sicherung und Vermittlung des kulturellen Erbes.

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Im Mittelpunkt der Arbeit der Kulturstiftung der Länder steht immer das kulturelle Erbe in seinem historischen Zusammenhang. Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, betont: „Für uns sind Kunstwerke besonders wichtig, in denen sich das Bewusstsein einer gemeinsamen kulturellen Herkunft, auch die geschichtlich bedingte Zusammengehörigkeit einer Gesellschaft manifestiert. Also Bewahrung der Identität, Begründung von Legitimation. Die sichtbare Präsenz dafür können bedeutsame Kunstwerke bieten. Bei Dürer, Holbein oder dem Nibelungenlied fühlen sich viele Menschen angesprochen, bei Kunstwerken von eher regionaler Bedeutung ist das schon vielschichtiger. Aber gerade diese Werke müssen wir bei unseren Förderungen auch beachten. Deshalb spreche ich auch gern vom Patrimonium der Regionen, das ist dem föderalen Deutschland eigentlich viel gemäßer.“

Erwerbungsförderung

Von Sarkophag bis Silikat: Deutsche Museen, Bibliotheken und Archive konnten bis dato 1.060 Kunstwerke, Sammlungen, Archivalien, Handschriften und weiteres kostbares Kulturgut mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder ankaufen. Rund 170 Millionen Euro wurden dafür von den Ländern aufgebracht; im Verbund mit zahlreichen öffentlichen und privaten Mitförderern wurden Werke im Wert von rund 640 Millionen erworben: Vom antiken Marsyas-Sarkophag bis zu archäologischen Sensationsfunden wie dem Gammertinger Fürstengrab; von mittelalterlichen Inkunabeln wie dem Quedlinburger Domschatz oder der ältesten Handschrift des Nibelungenlieds über gemalte Meisterwerke von Hans Holbein d. Ä., Peter Paul Rubens, Edvard Munch, Wassily Kandinsky oder Ernst Ludwig Kirchner bis hin zu literaturhistorischen Kostbarkeiten wie Franz Kafkas Romanmanuskript zum „Proceß“, den Postkarten Thomas Manns und den Vor- und Nachlässen von u. a. Bertolt Brecht, Christa Wolf und Siegfried Lenz; von Musikalien wie Beethovens Autographen der „Diabelli-Variationen“ oder dem Archiv des Musikverlags Schott über wertvolle Möbelkunst aus der Roentgen-Werkstatt oder dem Schreibtisch Friedrichs des Großen bis hin zu zeitgenössischen Glanzlichtern wie Martin Kippenbergers Gemälde „Sympathische Kommunistin“ oder Gerhard Richters Serie „Silikat“ – ein schier unerschöpfliches Panorama der künstlerischen und kulturellen Geschichte Deutschlands und darüber hinaus.

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Ausstellungsförderung

Die Kulturstiftung der Länder animiert Museen dazu, immer die eigene Sammlung zum Ausgangspunkt von Neuerwerbungen oder einer Präsentation zu machen: Zahlreiche seit 2009 von der Kulturstiftung der Länder geförderte kunst- und kulturhistorische Ausstellungen widmen sich deshalb der nicht selten schöne Überraschungen bergenden Neuentdeckung ihrer eigenen Sammlung. Um der kulturellen Vielfalt der deutschen Regionen gerecht zu werden, fördert die Stiftung vor allem Ausstellungsvorhaben mit regionaler Verankerung bei zugleich internationaler Bedeutung. Vielbeachtet waren beispielsweise die große Landesausstellung Baden-Württembergs „Hans Holbein d. Ä. – Die Graue Passion in ihrer Zeit“ (Staatsgalerie Stuttgart, 2010), die Landesschau Sachsen-Anhalts „Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen“ (Naumburg, 2011) und „Bernini – Erfinder des Barocken Rom“ (Museum der bildenden Künste Leipzig, 2014). Seit einigen Jahren fördert die Kulturstiftung der Länder gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes herausragende Ausstellungen mit überregionaler Ausstrahlung, wie zum Beispiel die Retrospektive „Alibis – Sigmar Polke“ (Museum Ludwig, Köln, 2015) und die kulturgeschichtliche Schau „Homosexualität_en“ (Schwules Museum und Deutsches Historisches Museum, Berlin 2015 / Münster 2016).

Restaurierungsförderung im Bündnis „Kunst auf Lager“

Berstende Fossilien, bröckelnde Altäre oder von der Glaskrankheit befallene Daguerreotypien – nur drei Beispiele aus der Vielzahl bedeutender Kulturzeugnisse, die von der Zerstörung bedroht in Museumsdepots schlummern. Im Rahmen des Bündnisses „Kunst auf Lager“ unterstützt die Kulturstiftung der Länder öffentliche Museen seit 2014 dabei, nicht-ausstellungsfähige, fragile Schätze unseres Kulturerbes durch fachgerechte Restaurierung wieder ins Licht der Ausstellungen zu holen. Das Bündnis „Kunst auf Lager“ unterstützt mit den unterschiedlichen Förderangeboten der bisher vierzehn beteiligten kulturfördernden Institutionen kurz- und langfristig Museen, die ihre Depots fachgerecht modernisieren und erschließen sowie einzelne Kunst- und Kulturgüter konservieren und restaurieren wollen. Denn viele Museen können nicht allen Objekten, die sie beherbergen, gerecht werden: Häufig fehlen den Museen das Personal, die Zeit und die finanziellen Mittel, ihre umfangreichen Sammlungsbestände zu erforschen und wertvolle Objekte für eine Präsentation zu restaurieren. Das von der Kulturstiftung der Länder und der Hermann Reemtsma Stiftung initiierte Bündnis hilft Kunstmuseen ebenso wie heimat- und volkskundlichen, naturwissenschaftlichen und technischen Museen bei diesen wichtigen Aufgaben. Nicht die publikumswirksamen Großevents oder die spektakulären Neuerwerbungen stehen somit im Fokus von „Kunst auf Lager“, sondern die oftmals vergessenen Objekte in den Museumskellern. Diese zu erschließen, zu erforschen und zu sichern war bisher ein häufig vernachlässigter Aspekt des Kulturgutschutzes. Das Bündnis möchte daher auch Politik und Gesellschaft für die Rettung der im Verborgenen bedrohten Kulturschätze sensibilisieren und an die Bedeutung dieser Sammlungen als gemeinsames kulturelles Gedächtnis erinnern.

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Kinder zum Olymp! – Die Bildungsinitiative der Kulturstiftung der Länder

Ihre Begeisterung für Literatur, Musik, Tanz, Theater oder bildende Kunst haben bisher rund 300.000 Schülerinnen und Schüler in rund 7.800 Wettbewerbsprojekten der Bildungsinitiative Kinder zum Olymp! bewiesen: Bis 2014 zeichnete die Kulturstiftung mit ihren begehrten Preisen des bundesweiten Wettbewerbs „Schulen kooperieren mit Kultur“ – der über zehn Jahre von der Deutsche Bank Stiftung unterstützt wurde – herausragende Kooperationen von Schulen  aus. 2015 startete der Wettbewerb mit einem neuen Konzept, um nachhaltige verstetigte Kooperationen von Schulen mit kulturellen Institutionen und Künstlern zu würdigen. Mit der im Herbst 2003 gestarteten Bildungsinitiative Kinder zum Olymp!, möchte die Kulturstiftung der Länder die ästhetische Bildung besser im Alltag und den Lehrplänen der Schulen verankern. Die Kongresse der Bildungsinitiative, die 2004 in Leipzig, 2005 in Hamburg, 2007 in Saarbrücken, 2009 in München, 2011 in Dessau, 2013 in Hannover und 2015 in Freiburg stattfanden, reagieren auf die große Nachfrage nach Information und Austausch zum Thema kulturelle Bildung. Lehrerinnen und Lehrer, Künstler und Vertreter von Kulturinstitutionen und Verbänden, aber auch Kulturpolitiker diskutierten über die zukünftige Ausgestaltung einer auch besser in den Lehrplänen verankerten kulturellen Bildung. Publikationen zum Thema und eine umfassende Datenbank mit Praxisbeispielen auf www.kulturstiftung.de/kinder-zum-olymp ergänzen die Elemente der Bildungsinitiative.

Themenspektrum Kulturgutverluste

Seit dem Amtsantritt von Generalsekretärin Isabel Pfeiffer-Poensgen im Jahr 2004 wurden zunehmend kulturpolitische Initiativen aufgelegt. So startete Pfeiffer-Poensgen 2008 gemeinsam mit dem Bund erstmals die dringend notwendige, gründliche Erforschung der deutschen Museen, Bibliotheken und Archive nach Raubgut der NS-Zeit: Bis zur Eingliederung der Berliner „Arbeitsstelle für Provenienzforschung“ (AfP) ins „Deutsche Zentrum Kulturgutverluste“ im Jahr 2015 wurden von der AfP für 170 Forschungsprojekte Fördergelder in Höhe von rund 12 Millionen Euro ausgereicht. Mit den von der Kulturstiftung der Länder für die Geschäftsstelle der AfP bereitgestellten Mitteln in Höhe von 1,7 Millionen Euro und den durch die einzelnen Projektträger ergänzend zur Verfügung gestellten Mitteln in Höhe von 7,7 Millionen Euro flossen dank der AfP-Projekte insgesamt 21,4 Millionen Euro in die dezentrale Suche nach NS-Raubkunst in 126 deutsche Sammlungen. Zahlreiche Restitutionen an die Erben der enteigneten Sammler konnten aufgrund der Forschungsergebnisse vollzogen werden. Die Kulturstiftung stand – und steht auch zukünftig – den Institutionen zur Seite, wenn es nach einer Restitution um den rechtmäßigen Erwerb der betreffenden Objekte ging.

Deutsch-Russischer Museumsdialog

Seit 2005 nahm die Stiftung auch die Erforschung der Verluste deutscher und russischer Museen, Bibliotheken und Archive im und nach dem Zweiten Weltkrieg in den Blick: ein kontrovers diskutiertes kulturpolitisches Thema, für dessen Bearbeitung von Stiftungen und Mäzenen erhebliche Drittmittel eingeworben werden konnten. Hunderttausende Werke wurden von russischen Trophäenbrigaden aus deutschen Sammlungen abtransportiert. Welche Wege nahmen die Kunstwerke, wo befinden sie sich heute? – Drängende Fragen der Forscher des Deutsch-Russischen Museumsdialogs, der – jenseits der Diskussion um eine Rückgabe – sich einem intensiven Austausch mit den Kollegen in russischen Museen widmet sowie verfügbare Dokumente wie aufgefundene Transportlisten der sowjetischen Truppen auswertet. Mit dem vorrangigen Ziel „Aufklärung und freier Zugang zu den Kunstwerken“ sind beispielsweise auch erste gemeinsame Ausstellungsprojekte initiiert worden. Auf der anderen Seite: Was wurde von deutschen NS-Sonderkommandos in sowjetischen Institutionen beschlagnahmt, welche Verluste durch Zerstörung, Diebstahl und Abtransport erlitten die reichen russischen Sammlungen im Krieg? Ein deutsch-russisches Forscherteam begab sich von 2012 bis 2014 mit Unterstützung der VolkswagenStiftung in internationalen Archiven und auch in privaten Aufzeichnungen von Wehrmachtsangehörigen auf die Spur des Kunstraubs, um mehr Klarheit zu schaffen über das Ausmaß der Verluste und das Schicksal der kostbaren, verschollenen Kulturgüter.

Eine Auswahl weiterer Aufgaben

Erhalt schriftlichen Kulturguts

Sektionsprotokolle von Virchow, kostbare Chorbücher in Naumburg oder ein Adressbuch von Hannah Höch würden von Schädlingen zernagt oder würden verschimmeln und zerfallen, würde nicht die Kulturstiftung im Auftrag der Länder gemeinsam mit der Bundesbeauftragen für Kultur und Medien Staatsministerin Monika Grütters diesen manchmal tief in Archiven und Bibliotheken verborgenen Zeugnissen unserer Kultur die nötige Aufmerksamkeit schenken: Seit 2011 sind 150 Modellprojekte der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts mit einer Förderhöhe von insgesamt rund 2 Millionen Euro gestartet, die den Erhalt der geschriebenen Schätze in zahlreichen Archiven Deutschlands zum Ziel hat. Viele weitere Förderungen sind jedoch nötig, um den komplexen Schadensbildern der wertvollen Handschriften und Archivalien zu begegnen.

Deutscher Theaterpreis „Der Faust“

Weltweit einzigartig ist die deutsche Theaterlandschaft. Die Kulturstiftung der Länder vergibt seit 2006 zusammen mit dem Deutschen Bühnenverein und der Akademie für Darstellende Künste jährlich den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“, um die Vielfalt und Qualität des deutschen Theaters zu würdigen und zu unterstützen. Preise werden in Kategorien wie Beste Regie, Beste darstellerische Leistung, Beste Ausstattung Kostüm/Bühne, Beste Choreographie und Lebenswerk vergeben.

Der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder

Seit 1999 fördern der Freundeskreis und der Junge Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder mit insgesamt fast 300 Mitgliedern zahlreiche Restaurierungsvorhaben von Museen, Bibliotheken und Archiven. Zur Weiterbildung junger Museumsmitarbeiter in Ostdeutschland vergibt der Freundeskreis seit 2002 jährlich Reisestipendien zur internationalen Kunstmesse TEFAF in Maastricht. Der Junge Freundeskreis vergibt seit 2010 jährlich fünf Reisestipendien für Volontäre zur ART BASEL.

Institutionelle Förderung durch die Kulturstiftung der Länder erhalten:

Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts e. V., Berlin

Sektion Bundesrepublik Deutschland der internationalen Gesellschaft der bildenden Künste e. V., Berlin

Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt

Deutscher Übersetzerfonds e. V., Berlin

Deutscher Musikrat, Bonn

Deutscher Verein für Kunstwissenschaft, Berlin

Arsprototo – das Magazin der Kulturstiftung der Länder

Im Jahr 2004 entstand der Wunsch, die Vielzahl wertvoller Kunst- und Kulturschätze von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart in einer eigenen Publikation wirkungsvoll präsentieren zu können. So entwickelte die Kulturstiftung der Länder ihr Magazin Arsprototo – im Mai 2005 erschien die erste Ausgabe. In ausführlichen Artikeln und Reportagen – kunsthistorisch fundiert, aber spannend und lesefreundlich erzählt – berichtet das Magazin seitdem viermal jährlich über Rettungen von Kunstwerken, großangelegte Restaurierungen bedrohter Kunstschätze, über kulturpolitische Themen und die schönsten Kulturlandschaften Deutschlands. Immer steht im Fokus der Publikation, bei einem großen Publikum das Bewusstsein für das kulturelle Erbe Deutschlands mit seinen Kunst- und Kulturschätzen zu schärfen und um privates wie institutionelles Engagement für seinen Erhalt zu werben. Im Mittelpunkt des Magazins steht auch die Rettung bedeutender Kunstwerke und Kulturgüter, wertvoller Bücher oder die Sicherung wichtiger Autographen für Museen, Bibliotheken und Archive in Deutschland. Durch die Spendenaufrufe konnten so in den unterschiedlichsten Museen, Bibliotheken und Archiven in ganz Deutschland Restaurierungen finanziert werden. Mittlerweile rund 15.000 Abonnenten beziehen die kostenlose Zeitschrift.