Erwerbungsförderung

Ahnen Anhalts

Die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau erwirbt acht Gemälde und eine Plastik aus dem Eigentum des Hauses Anhalt. Die Kulturstiftung der Länder und weitere Förderer unterstützten den Ankauf.

Johann Friedrich August Tischbein (1750-1812), Christiane Amalie Erbprinzessin von Anhalt-Dessau (1774-1846) mit drei Kindern
Johann Friedrich August Tischbein (1750-1812), Christiane Amalie Erbprinzessin von Anhalt-Dessau (1774-1846) mit drei Kindern

Die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau erhält mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Sachsen-Anhalt, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Stadtsparkasse Dessau, der Stadt Dessau-Roßlau und der Lotto-Toto GmbH acht Porträtgemälde, u.a. von Antoine Pesne, Johann Friedrich August Tischbein und Wilhelm Schadow, und ein Bronzestandbild Fürst Leopolds von Anhalt-Dessau, des „Alten Dessauers“, von der Erbengemeinschaft Herzog Joachim Ernst von Anhalt.

Nach langwierigen Verhandlungen der Kulturstiftung der Länder und der Gemäldegalerie mit der Erbengemeinschaft konnte nach der Restitution der – ursprünglich herzoglichen – Kunstwerke an das Haus Anhalt glücklicherweise eine gütliche Einigung über den Erwerb für die Dessauer Gemäldegalerie erreicht werden. Die Gemälde bleiben damit in Schloss Georgium in einem der Geschichte des Hauses Anhalt in besonderer Weise gewidmeten Raum erhalten. Das Schloss beheimatet die Anhaltische Gemäldegalerie und wurde früher durch das anhaltische Fürstenhaus genutzt.

Aus der gezielten Zusammenführung der Kunst- und Kulturgüter, die auf viele Schlösser in der Region des ehemaligen Herzogtums Anhalt-Dessau verteilt waren, entstand 1927 die Anhaltische Gemäldegalerie. Nach 1945 kamen im Zuge der Bodenreform weitere Kunstwerke in die Sammlung.

So lassen sich auch zukünftig an diesem Ort die kulturelle Bedeutung des Hauses Anhalt am Ende des 18. Jahrhunderts und die vielfältigen Beziehungen zu den Niederlanden anhand der Porträts nachvollziehen.

Das herausragende Werk des Konvoluts, Johann Friedrich August Tischbeins auf 1798 datiertes Bildnis der Erbprinzessin Christiane Amalie von Anhalt-Dessau (1774–1846) mit drei Kindern zeigt die Annäherung fürstlicher und bürgerlicher Lebensweisen am Ende des 18. Jahrhunderts. Das gut erhaltene Gemälde stellt ein Hauptwerk J. F. A. Tischbeins dar, der als Porträtist auch außerhalb Deutschlands reüssierte und von 1795-1800 in Dessau am Hofe des Herrscherhauses wirkte.

Weiterhin erwirbt die Gemäldegalerie in Dessau ein Bildnis von Johann Georg II., Fürst von Anhalt-Dessau (1627–1693), ein herausragendes Werk von Adriaen Hanneman, das den für die Geschichte Anhalts bedeutenden Fürsten in einem temperamentvollen Porträt zeigt.

Von Tischbein können auch das Porträt des Prinzen und späteren Herzogs Leopold IV. von Anhalt-Dessau als Kind mit drei Geschwistern, das Pastellporträt der Königin Luise von Preußen (1776–1810) von vermutlich 1796 und das Porträt der Prinzessin Friederike von Preußen (1778–1841), der Schwester Königin Luises, von 1797 erworben werden; von Wilhelm Schadow das Porträt der Prinzessin Wilhelmine Luise von Anhalt-Bernburg (1799–1882) sowie eine Skizze von Antoine Pesne für das verlorene Familienbildnis des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau; weiterhin eine Kopie von Poul van der Stock nach dem verlorenen Gemälde von Jan Mitjens, einem Porträt der Gemahlin Johann Georgs, Henriette Catharina, Fürstin von Anhalt-Dessau, geborene Prinzessin von Oranien (1637–1708).

Ein Bronzestandbild des preußischen Generalfeldmarschalls und Heeresreformers Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, genannt der „Alte Dessauer“, ein Zweitguss der Statue, die als Ersatz für Johann Gottfried Schadows Marmororiginal (heute Bode-Museum, Berlin) 1858 von August Kiß angefertigt wurde, bleibt auf dem Schlossplatz erhalten.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, sagte: „In den letzten Jahren beschäftigt sich die Kulturstiftung der Länder verstärkt mit Restitutionsfragen. Für uns ist der Verbleib der Porträts in der Dessauer Gemäldegalerie ein gutes Beispiel dafür, wie wir auch in Zukunft versuchen können, bei Restitutionsfällen eine glückliche Lösung für alle Beteiligten zu erreichen.“