Erwerbungsförderung

Rembrandts Nachbar

Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen erwirbt das Gemälde „Das Jüngste Gericht“ von Nicolaes Eliasz, genannt Pickenoy, aus der ersten Hälfte des 17. Jhd. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Christus, der Weltenherrscher, thront auf einer Wolke, Engel blasen die Posaunen zum Gericht, die Gerechten fahren selig hinauf in die himmlischen Gefilde, die Sünder aber stürzen schreiend ins Feuer der ewigen Verdammnis: Der Amsterdamer Maler Nicolaes Eliasz, genannt Pickenoy, bannte „Das Jüngste Gericht“ vermutlich in den frühen 1620er Jahren auf die Leinwand. Mit dem biblischen Gemälde, das die Geschehnisse des christlichen Weltendes dramatisch in Szene setzt, erwirbt das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen eine kostbare Rarität: Denn lediglich sieben Historienbilder des Künstlers sind erhalten.

Nicolaes Eliasz, genannt Pickenoy, „Das Jüngste Gericht“, 1620er Jahre, Öl auf Leinwand, 103 x 102,5 cm, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen
Nicolaes Eliasz, genannt Pickenoy, „Das Jüngste Gericht“, 1620er Jahre, Öl auf Leinwand, 103 x 102,5 cm, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen

Nicolaes Eliasz, genannt Pickenoy (1588–1650) war einer der führenden Amsterdamer Porträtkünstler des Goldenen Zeitalters. Höchst erfolgreich verewigte er Patrizier und Regenten der Stadt, malte Anatomiestunden, Schützenstücke sowie zahlreiche Gruppenporträts. Obwohl auf die Bildniskunst spezialisiert, schuf Pickenoy, der im Künstlerviertel Tür an Tür mit Rembrandt wirkte, auch Gemälde mit religiösen und mythologischen Themen. Die wenigen Historien aus dem Frühwerk zeigen – darunter gleich vier Darstellungen der Apokalypse –, dass es der Künstler auch auf diesem Gebiet zur Meisterschaft brachte.

Das 103 x 102,5 cm messende „Jüngste Gericht“ belegt Pickenoys genaue Kenntnis der Bildtraditionen seiner Zeit: So orientierte er sich an den figurenreichen, kunstvoll komponierten Weltgerichtsdarstellungen des niederländischen Spätmanierismus. Die symbolische Lichtführung in ihren dramatischen Hell-Dunkel-Effekten und die Präsenz der verschlungenen nackten Leiber lassen den Einfluss der Utrechter Caravaggisten vermuten. Farb- und Figurenfassung beweisen hingegen stilistische Anleihen bei der Amsterdamer Historienmalerei um Rembrandts prominenten Lehrer Pieter Lastman zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Das mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Peter und Irene Ludwig Stiftung und der Stadt Aachen erworbene Gemälde schließt eine Lücke in der Sammlung des Suermondt-Ludwig-Museums: Mit „Christus und die Ehebrecherin“ beherbergte das Museum einst eine der seltenen Historien des Niederländer Meisters – dieses Werk zählt zu den schmerzhaften Kriegsverlusten des Hauses. Pickenoys „Jüngstes Gericht“ wird noch bis Ende März 2014 in der Ausstellung „Sammlung in Bewegung“ im Kaminzimmer des Museums präsentiert.